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19.12.11 - 09:51 Uhr

Die Lokalität des Humors


Wenn an drei aufeinander folgenden Veranstaltungsabenden das Emailwerk dreimal ausverkauft ist, dann sind die Seekirchner in die Gänge gekommen. Und das passiert zumeist dann, wenn einer der ihren auf der Bühne steht. Oder – wie im jüngsten Fall – gleich zwei.

Andres Lausenhammer und Martin Günther sind, humoristisch gesehen, Seekirchner Kernkompetenz. Ersteren kann man jahrgangsmäßig bereits zu den Ureinwohnern zählen, zweiterer ist auf dem kürzesten Weg dorthin. So beginnt der äußerst witzige und unterhaltende Abend gleich einmal mit der lokalen Königsdisziplin, dem gegenseitigen auf die Schaufel nehmen. Das liebevoll-bösartige Lokalderby endet damit, dass sich der Seniorpartner des Duos darüber beschwert, dass gute Statisten nur noch schwer zu bekommen sind – und steht dafür plötzlich allein auf der Bühne.

 

Bühne frei für die Politikerkrippe. Jesuskindlein bleibt unangetastet, aber für jede andere Figur findet Lausenhammer adäquaten Ersatz aus der heimischen Politszene, das Publikum brüllt über die witzigen Parallelen, mit denen der Vollblutkomödiant die Damen und Herren der Regierung zu Eseln macht. Auch ein Abstecher in die internationale Märchenpolitik (wie oft muss Carla Bruni den Frosch küssen, bis er endlich...) wird vom vollen Saal mit reichlich Gelächter belohnt. Die abschließende Beweisführung, dass es gut ist, H.C. Strache in den eigenen Reihen zu haben, weil sonst wir die Ausländer wären, fällt in die Kategorie pechschwarzer Sarkasmus, entbehrt aber nicht einer gewissen Logik. Publikum tobt.

 

Bei Martin Günthers Ode an die Zahl drei (Ich, Du und no a Mau), gekonnt verpackt in eine feuchte Lokaltour, kommt es zu den ersten Atemschwierigkeiten im Saal. Einer der Höhepunkte des Programms „Fröhliche WeinAchterl“ ist mit Sicherheit der in Ur-Seekirchnerisch vorgetragene Besuch des Stroznmo (Hofberater) bei einem hiesigen Landwirt (Lausenhammer) samt hochdeutscher Übersetzung für das dialektunkundige Publikum (Günther), bei dem da und dort im Auditorium ein deutliches Wiehern zu vernehmen ist.

 

Nicht minder zum Schreien ist der gesungene Witz vom Weihnachtsgeschenk in Form weißer Handschuhe. Oder war es ein Stringtanga? Es etwas umzukrempeln, damit der Pelz sichtbar wird, lässt keine eindeutige Schlussfolgerung zu...

 

Lausenhammer und Günther bearbeiten die einheimische Zuhörerschaft gnadenlos bis zur Herzrhythmusstörung. Auf die Bühne gegangen um der Bevölkerung die Wartezeit auf das Christkind auf ein erträgliches Maß zu verkürzen, verlassen sie diese als komödiantische Lokalhelden. Da biss selbst die härteste Weihnachtsdepression auf Lebkuchen.

(mw)

 











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