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30.01.12 - 10:47 Uhr

Bitte nicht aufhören!


Den Stil des Quintetts mit Manu Delago und seinem Hang im Zentrum zu beschreiben, fällt schwer. Manchmal führt das Ensemble das Publikum in Richtung Jazz, zumeist dann, wenn Christoph Pepe Auer das Ruder übernimmt, an anderer Stelle klingt es klassisch, auch ein paar Walzertakte sind zu hören. Zumeist arbeiten die fünf MusikerInnen aber an einem ganz eigenen Sound, Stücke die von Augenblicken und Gefühlsmomenten erzählen. Einfach wird es dabei nie. Selbst die harmonischen, einfühlsam-langsamen Passagen des Programms „Living Room in London“ sind geladen mit subtilen Details, die die fünf MeistermusikerInnen geradezu spielerisch in den Gesamtklang mit einbauen. Versuche, sich auf ebendiese Details zu konzentrieren oder gezielt einem Instrument zu folgen, schlagen nach wenigen Sekunden fehl. Zu verwoben und vielschichtig sind die Stücke und entziehen sich so der analysierenden Betrachtung. Also lehnt man sich zurück, lässt sich einfach vom herrlichen Klang vereinnahmen und fühlt, wie sich die gute Laune einen Weg durch die vollen Sitzreihen bahnt.

 

Die Kompositionen, die aus der Feder der MusikerInnen selbst stammen, spielen, wie man so schön sagt, alle Stückerl. Manchmal übernimmt ein Instrument die Führung, um es zwei Sätze später an ein anderes abzugeben, und die verbleibenden vier heben den jeweiligen Solisten bis in den letzten Winkel der Galerie. Andernorts lässt jeder sein eigenes Pflänzchen sprießen, beobachtet das Wachstum des anderen, dann ein plötzliches Durchatmen und das Ensemble lässt einen musikalischen Urknall durch den Saal fegen. Mehr, wir wollen mehr!

 

Bleibende Schäden gibt es keine. Kurz bevor der Putz Risse bekommt, streichelt Delago seine Hanghang und beinahe therapeutische Klänge senken den Blutdruck auf gesunde 70 zu 120. Pepe Auers Basssaxophon massiert die Haarwurzeln und Gregor Riddels Bass macht warme Umschläge.

Alles was jetzt noch fehlt ist – genau, Tom Norris tauscht Geige gegen Gitarre und lässt einen Song in astreinem „British English“ vom Stapel. Die Versuchung, ein Pint zu bestellen ist groß...

 

Gekrönt wird das Ganze von einer bezaubernden Ellie Fagg, deren Violinenspiel während des Konzerts für einige Rückenschauer sorgt.

 

Als Zugabe wird eben mal eine Interpretation von Mozarts Rondo Alla Turca aus dem Ärmel geschüttelt und zwar in einer Komplexität und Präzision, dass einem die Kinnlade runterfällt. Nicht aufhören bitte...

(mw)

 











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