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11.02.12 - 11:48 Uhr

Handmade in Austria


Wenn man die ursprüngliche, durchwegs enge Definition des Singer/Songwriters als Maßstab für das Doppelkonzert „Dos and Dust“ und „Nur Julie“ einsetzt, bemerkt man, dass sich dieses Genre in einem stetigen Veränderungsprozess befindet. In den 60ern des letzten Jahrhunderts prägte ein Mann aus Duluth, Minnesota diese Musikform wie niemand vor ihm - Bob Dylan, der Prototyp des Singer/Songwriters. An seinem Beispiel Dylans lassen sich die markantesten Merkmale festhalten: Die Ernsthaftigkeit der Themen, inspiriert von widrigen Verhältnissen und persönlichen Erfahrungen, meist widerständig und rebellisch, und immer in einem gewissen Abstand zum Glamour der Popwelt - "Independent" halt. Streng genommen hat diese Bewegung als großer Strom aber nicht lange überlebt, nach den Studentenprotesten in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre kamen die ersten großen weiblichen Vertretungen wie Joni Mitchell und Carole King, um dann mit den Herren in der ersten Hälfte der 70er Jahre unterzutauchen. Rock und Disco waren zu diesem Zeitpunkt eben sexier.

 

Doch ausgestorben ist die Bewegung nie - und die Grenze zu ziehen war schon immer schwierig. Gehörten Simon & Garfunkel dazu, obwohl sie zu den kommerziell erfolgreichsten Musikern zählten? Was ist mit Sheryl Crow, wie steht es mit Dave Matthews oder Ben Harper? Oder Antony von „Antony and The Johnsons“? Sind deutsche Liedermacher wie Hannes Wader oder der unlängst verstorbene Franz Josef Degenhardt von der Einstellung her mit ihnen verwandt, was ist mit Chansonniers wie Jacques Brel oder Italienern wie Gino Paoli oder Lucio Dalla? Mit ihren anspruchsvollen Texten erlangten in den jeweiligen Heimatländern alle große Aufmerksamkeit, obwohl sie im Ausland kaum bekannt sind.

 

Fest steht, dass die Figur des Singer/Songwriters im neuen Jahrtausend wieder dort gelandet ist, wo sie anfing: in kleinen Clubs und lokalen Bühnen. Hart verdientes Brot. Die Themen haben sich auch nicht verändert, zugegeben, die Liebe steht schon mehr im Vordergrund als der Protest und die Kritik, doch das hat mit etwas anderem zu - mit den Sehnsüchten der jeweiligen Generation. Zwei wunderbare Beispiele dieser Generation waren am 10. Februar im Emailwerk Seekirchen zu hören und zu sehen.

 

Das erste Set bestritt das (mittlerweile erweiterte) Duo „Dos and Dust“.

Sebastian Müller und Michael Schmuck erinnern mit ihrem melancholischen Gitarrensound noch am ehesten an die erwähnten Urzeiten des Genres, ohne aber die Eigenständigkeit vermissen zu lassen, die für die notwendige Glaubwürdigkeit sorgt. Das Publikum erlebt bei jeder Komposition Alternative-Folk vom Feinsten mit harmonisch zweistimmigem Gesang. Genau diese Stimmigkeit und Echtheit prägen auch diese feinsinnigen Melodien. Auch die Erweiterung der Besetzung um Schlagzeug und Bass verstellen nicht den Blick auf das Wesentliche von „Dos and Dust“: persönlich, gefühlvoll, authentisch, von tiefgründiger Schwermut durchzogen und dennoch eingängig.

 

Nach der Pause betritt „Nur Julie“, im bürgerlichen Namen Juliane Blinzer, die Bühne und erzählt erst einmal etwas, ein den Fans bereits bekanntes Phänomen. Doch kaum ist dar Plauderton verflogen, offenbart die Singer/Songwriterin ihre gesamte eigene Gefühlsklaviatur und lässt damit das Publikum ganz nah an ihr Leben heran. Authentizität ist das Schlagwort, das bei „Nur Julie“ bedingungslos zutrifft. Sie schreibt ohne Umwege von ihrem Leben und der Liebe. "Ich kann nichts anderes", meint sie dazu. Was hier zählt, ist nicht die Suche nach besonders kunstfertigen Metaphern, sondern der möglichst direkte Ausdruck dessen, was einen umtreibt. Bei ihr geht es vom Bauch direkt ins Mikrofon.

 

Beachtenswert auch, dass die Erweiterung der Besetzung für dieses Konzert (immerhin standen zuletzt 7 MusikerInnen auf der Bühne) nichts von der emotionalen Intensität nimmt. Im Gegenteil, es entstehen Momente voll mitreißender Euphorie. Jeder Song ist ein kleines Kunstwerk für sich, mit seiner ganz eigenen Stimmung und lebensbejahenden Charakter.

 

FAZIT dieses (legendären) Doppelkonzertes: Handgemachte Musik mit Liebe und Seele, die berührt, erfreut, anregt und auf ihre stille Art und Weise fasziniert und fesselt. Singer/Songwriter eben.

(lf)

 

 

 











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