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12.02.12 - 10:45 Uhr

Der innere Rhythmus


David Lindorfer folgte der Einladung zu "Guitar Styles" und begeisterte letzten Samstag das Emailwerk-Publikum. Kein Wunder, gilt doch der sympathische Oberösterreicher seit dem Gewinn des internationalen "Open Strings" Gitarrenfestivals 2007 als einer der spannendsten Newcomer der akustischen Gitarrenszene. Was seine Darbietung so faszinierend macht, ist zum einen die Verschmelzung verschiedenster Stile zu einem Gesamtkunstwerk, auf dem David Lindorfer steht. Zum anderen, dass er dies konsequent auf der Konzertgitarre macht, mit Nylonseiten. Das ist eine Seltenheit in der internationalen Fingerstyle-Kommune außerhalb des rein klassischen Genres.

 

Wenn er eine seiner Eigenkompositionen spielt, entfaltet er einen komplexen Klangteppich, dass man glauben will, es würden zwei oder drei Gitarristen spielen. Während seine Finger blitzschnell über die Saiten huschen, scheint sein Körper einem inneren Rhythmus zu folgen, den man nur beim genauen Hinsehen bemerkt. Das ändert sich aber dramatisch, wenn er eine seiner groove-betonten Kompositionen spielt, da wird der studierte klassische Gitarrist und Lehrer der Meisterklasse der Dresdener Musikhochschule zum lebenden Metronom. Und genau hier entfaltet sich auch eine ganz eigene Genialität.

 

„Die Alten nannten den Rhythmus das männliche, die Melodie das weibliche Prinzip“, sagte einst der römische Rhetoriker Quintilianus und meinte damit: ohne Rhythmus gibt es keine Schöpfung. Er ist der Pulsschlag des eigenen Lebens, und das wird sichtbar, wenn David Lindorfer mit seiner Gitarre auf der Bühne steht. Er vereint beides - Rhythmus und Melodie - und es sind auch die Geschichten aus dem Alltag, die ihm Inspiration spenden für sein Werk. Die Gegensätze von ICE und Regionalexpress oder die Atmosphäre des stillen Örtchens, alles scheint geeignet, wunderbare Musik daraus zu gestalten. Das macht den 1983 geborenen so menschlich und herzlich.

 

Wahrscheinlich, weil er die wichtigsten, lebenserhaltenden Rhythmen aus sich selbst bezieht, von seinem Herzschlag, dem Metronom des Lebens. Schon der Dichter Federico García Lorca nannte die Gitarre ein "Herz, das von fünf Schwertern durchbohrt wurde", und genauso viel Herzblut fließt in die Musik von David Lindorfer.

 

"Oh, guitarra! Corazón malherido por cinco espadas."

(lf)

 

 











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