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26.02.12 - 11:53 Uhr

Nicht die Anden, nicht die Rockies – die Tauern.


Die Tauern sind charakterlich unter den Gebirgen das, was Österreich unter den Ländern ist. Alles ist etwas kleiner, die Übergänge sind dichter, vieles ist etwas konzentrierter und wirkt damit fast unwirklich schön. Oft sieht man in den Tauern mit einem Blick aus tiefen Tälern über dicht bewaldete Hänge über Seen und Karstlandschaften bis hinauf auf ganzjährig vereiste Gipfel. Und ebenso konzentriert beschreibt David Hausers Musik die Tauern. Natürlich gibt es sie auch, die weitläufigen, tragenden Klänge. Aber zumeist beschreibt er die Landschaften seiner Songs in einem unerhört dichten Detailreichtum. Alle paar Meter, oder paar Sätze, findet sich etwas Neues, hinter jeder Kurve, jedem Stück, ein ganz neuer rhythmischer Eindruck. Hausers Tauernblues ist weniger ein musikalischer Wegbegleiter oder Bergführer, sondern vielmehr sein ganz persönlicher Zustand zu den Gegenden und Gipfeln. Die Gäste im Emailwerk hören, wie Hauser es empfindet, frühmorgens aus dem Bett zu klettern, auf den See zu blicken oder, vorbei an Tauernautobahn, deutschen Hightech-Touristen, Hütten und Hüttengefährten auf einen Gipfel zu steigen. Und dank seiner Brillanz an Gitarre und Bass muss er keinen Meter auslassen, kann jede Gefühlsregung auf dem Weg zu Gehör bringen.

 

Da man jedoch in den Alpen nicht allein unterwegs sein soll, hat sich David Hauser für seine Gipfelstürme einen ebenso erfahrenen Partner ans Seil genommen. Und tatsächlich erweist sich Herb Berger an Saxophon, Mundharmonika und Piano ebenso trittsicher wie sein Partner zur Höhe. Und während die Mundharmonika sich unter der Baumgrenze etwas wohler zu fühlen scheint (ein alpenländisches Gemütlichkeits-Vorurteil?), verbrüdert sich Bergers Saxophon im Ohr gerne mit den Felsen und Graten auf dem Weg. Der Blues kocht. Manchmal zieht er an, dann wird wieder Seil gegeben. Im schnellen Schritt über unregelmäßiges Geröll, weicher über satten Almboden, knackig beim Hüttenbesuch. Hauser und Berger haben ihre Tauern bespielt. Ein genialer Klang, meist ein paar Meter neben dem ausgetretenen Weg, aber immer innerhalb der Route.

Herrliches Bergerlebnis gehabt.

(mw)

 











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