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11.05.12 - 09:25 Uhr

Gefesselt bis zum Schluss


"Auch in mir steckt ein gutes Stück dieser Erna", meinte Mercedes Echerer nach einer fulminanten Vorstellung im Seekirchner Emailwerk.

 

Sie ist sie, fast zwei Stunden auf der Bühne, mit Haut und Haaren, mit jeder Faser ihres Körpers, ihres Herzens, ihrer Seele, ihres Verstandes: Jene Erna, die fast kindhaft durchs Leben vagabundiert, als unschuldiges Hascherl, gerissene Geschäftsfrau, verführerische Geliebte, raffinierte Betrügerin und sehnsüchtiger Freigeist.

 

Verena Kurth hat frei nach dem Roman "Karriere" von Robert Neumann ein großartiges Stück geschaffen, einer Mercedes Echerer förmlich auf den Leib geschneidert. Ihrem Ehemann Rupert Henning gelingt es in seiner Inszenierung, der Sprache und dem Humor Neumanns Raum zu geben, mit genau gesetzten Zäsuren, die Tempi variierend, die Pausen ausspielend, mit den wenigen Requisiten, die er harmonisch in die Dramaturgie einwebt.

 

Die musikalische Begleitung an der Stehgeige ist weit mehr als das: Aliosha Biz schafft nicht nur den Live-Soundtrack, er ist manchmal tönendes und manchmal stummes Gegengewicht zur spielerischen Kraft Echerers. Die raren Momente, in denen sich die beiden aber auf der Bühne wirklich bewusst begegnen, werden zu besonderen Spannungsmomenten.

 

Mercedes Echerer zeigt in ihrem Soloauftritt eine schauspielerische Spitzenleistung. Sie spielt sensibel und rasant zugleich, voller Selbstironie aber auch naiv und zornig. Mit ihrer hervorragenden Sprechkultur und großer Wandlungsfähigkeit fesselt die Schauspielerin ihr Publikum. Sie arbeitet die Figuren aus dem sprunghaften Gedankenfluss heraus und brilliert als Frau im besten Sinne auf der Suche nach Identität. Mit ihrer fein artikulierten Aussprache trifft sie immer den richtigen Ton und zelebriert die Pointen punktgenau. Mitunter herrlich naiv, untermalt von ihrer beredten Mimik offenbart sie viel Gespür, spielt die Stimmungen aus und bringt auch die leisen Töne zum Vorschein.

 

Was es bedeutet, die Zuschauer alleine vom ersten bis zum letzten Satz zu fesseln, kann bestenfalls die Schauspielerin ermessen, die es versucht hat. Und das man das "Schweizer Uhrwerk", das im Hintergrund in äußerster Präzision tickt, nicht bewusst wahr nimmt, ist eine herausragende Tatsache. Ein spannender und kurzweiliger Theaterabend, der lange und frenetische Beifall des Publikums drückte echte Begeisterung, Bewunderung und Berührung aus.

(lf)

 

 











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