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21.05.12 - 15:13 Uhr

Eine beispiellose Reise in das Herz von Kunst und Kulinarik


Fünfunddreißig erlebnis- und bildungshungrige Menschen begeben sich zweieinhalb Tage auf Italienklausur - soviel zu den Fakten.

 

Dass diese Klausur die Eroberung künstlerischer, historischer und kulinarischer Besonderheiten zum Ziel hatte, zeichnet schon ein etwas klareres Bild. Die bislang vierte Kunstreise der beiden Kulturinstitutionen Società Dante Alighieri und Kulturverein Kunstbox stand ganz im Zeichen dieser Ziele und führte in den norditalienischen Veneto, auf der Suche nach gastronomischen, literarischen, künstlerischen, architektonischen und landschaftlichen Höhepunkten. Allen gemeinsam war der Wunsch, sich vor allem mit den gemeinsamen Grundlagen von Kunst, Wein und Kulinarik - von Sinnlichkeit, Emotionalität und Ästhetik, auseinanderzusetzen.

 

Außerhalb der Weltkulturstadt Venedig ist der Veneto eine wenig bekannte Region Italiens, touristisches Niemandsland sozusagen. Und dabei findet man hier eine solche Ansammlung von Natur- und Kulturschönheiten wie kaum anderswo. Die Stadtbilder und auch jene vieler kleinerer Orte werden geprägt durch prächtige Villen und Paläste, pittoreske Plätze und verwinkelte Gassen, gut erhaltene Festungen und mittelalterliche Bauwerke. Geformt wurde dieses Gesellschaftsbild vor allem aber durch die Menschen - damals wie heute. War es vor 500 Jahren der mutige Architekt Andrea Palladio, der den Venezianern ihre Luxusvillen und Landgüter entwarf und so die Stellung der Bauherren sichtbar machte, sind es heute vor allem zukunftsorientierte Unternehmer, die den Veneto zu einer wichtigen Region machen.

 

Ein Beispiel solcher Unternehmenskultur fanden wir in Bassano del Grappa, genauer gesagt bei „Nardini“, dem weltbekannten Grappa-Brenner, der sich zum 225. Jahrestag der Firmengründung mit einem Werk moderner Architektur selbst beschenkte und den Architekten Massimiliano Fuksas mit der Errichtung der “Bolle” beauftragte. Staunend standen wir vor dieser kompromisslosen Architektur, die ein starkes Zeichen der Wertschätzung des Gebiets und der unternehmerischen Kultur gesetzt hat. Zwei glasgrüne Tropfen im Garten der Fabrik mit einem Labor und einem Theater, in dem auch zeitgenössisches Tanztheater stattfindet, alles klimaneutral betrieben - der Gaumen bedankte sich bei der anschließenden Verkostung.

 

Noch am selben Tag reisten wir weiter nach Conegliano, um unser Quartier zu beziehen, das Hotel Canon d‘Oro, wunderbar gelegen im historischen Zentrum von Conegliano. Das Gebäude selbst ist aus dem 15. Jahrhundert, geschmückt mit einer wunderschönen Fresken-Fassade. Dieser schöne Ort sollte für die nächsten zwei Tage Ausgangspunkt unserer regionalen Expeditionen sein. Der Samstag stand dann ganz im Zeichen dreier Schwerpunkte: Landschaft, Geschichte und Prosecco.

 

Zum Prosecco kann man nur sagen: Eine der geheimsten und elegantesten "Weine", ein süchtig machender Geschmack mit einem einzigartigen Duft. Diese Erfahrung mussten wir uns aber erstmal in den Weinhügeln von Valdobbiadene erwandern, in der Hügellandschaft mit den kargen Böden und dem speziellen Mikroklima, die Prosecco und Cartizze zum Reifen brauchen. Die Wanderung durch die malerische Landschaft mit atemberaubenden Ausblicken und die Begegnung mit dem Winzer des Weingutes Ca`Salina bescherte uns unvergessliche kulinarische Momente und gab uns Einblick in die tägliche Arbeit und die unterschiedlichen Arbeits- und Herstellungsweisen der Qualitäts-Prosecchi. Dass diese Mittagsjause auch noch zu einem musikalischen Erlebnis wurde, war eine wunderbare Überraschung für alle TeilnehmerInnen.

 

Die Schönheiten der Region manifestieren sich aber nicht nur in der zauberhaften Landschaft, sondern auch im Rückblick auf vergangene Epochen. Einmal darauf eingelassen, wird man entführt in jenes zersplitterte Italien, das aus zahlreichen eigenständigen Stadtstaaten, Grafschaften oder Herzogtümern bestand. Ihre exzentrischen Herrscher waren aber nicht nur Kriegsherren, sondern auch Auftraggeber und Mäzene und trugen so zu einer enormen Kunst-Produktion bei, die sich gerade in den vielen Klöstern und Kirchen wiederfindet. Mit diesem Wissen im Hinterkopf besichtigten wir die Fresken in der romanischen Kirche San Pietro di Feletto oder die Abtei in Follina. Und auch beim anschließenden Rundgang in Vittorio Veneto kann man die Geschichte noch erahnen, die einstige Größe und Bedeutung der jetzt fast traurig erscheinenden Stadt.

 

Am letzten Tag erwartete uns ein besonderes Erlebnis: der jüdische Friedhof in Conegliano, dem Endpunkt einer langen tragischen Geschichte. Jüdische Familien gab es seit dem 14. Jahrhundert in Conegliano, 1637 wurde die jüdische Gemeinde in ein Ghetto gesperrt, wo man 1701 dann eine Synagoge errichtete. 1951 wurde die Synagoge in ihre Einzelteile zerlegt und in Jerusalem vollständig wieder aufgebaut, wo sie wieder ihre alte Pracht entfaltet - als Synagoge der Italiener. Von dieser langen Leidensgeschichte erzählt dieser versteckte Friedhof, gebeugte Grabsteine als Sinnbild vieler Schicksale in einem mystisch verwachsenen Wäldchen am Rande der Stadt.

 

Wie könnte so eine Reise besser enden als mit einem Ausflug nach Susegana, wo auf der Burg San Salvatore eine regionale Prosecco-Verkostung stattfand. Dieser Ort ist seit Jahrhunderten mit der Geschichte der Grafen von Collalto verbunden. Einen Schotterweg entlang erklimmen wir die Überreste des Schlosses an Salvatore und laben uns noch einmal an dem köstlichen Rebensaft und rekapitulieren, was wir alles gelernt haben: niemals zu anderen Flaschen greifen als jenen, wo die Worte "Prosecco", "Conegliano" oder "Valobbiadene" und "Superiore" draufstehen.

 

In diesem Sinne gut gefüllt, schiebt uns das wandelnde Lexikon und der "Beste aller Reiseleiter" Dottore Giorgio Simonetto in den Bus, wo wir bis zur österreichischen Grenze friedlich schlummern und von dem träumen, was wir erlebt, gegessen und getrunken haben: Coniglio, Uova dorate, Grappa, Prosecco, Risotto, Dolce, Cartizze, Cabernet Franc....... Eine beispiellose Reise in das Herz von Kunst und Kulinarik!

(lf)

 

 

 











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