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29.06.12 - 11:39 Uhr

Kompromisslos echte Volksmusik


Im zeitgenössischen Emailwerk erlebte das Publikum gestern einen Abend musikalischen Hochgenusses - mit Volksmusik.

 

Kein Begriff ist heute schwieriger zu definieren, als jener der Volksmusik - die Vorstellungen davon könnten unterschiedlicher nicht sein. Allem voran kennt man das, was man als "Volkstümliche Musik" bezeichnet, also populäre Unterhaltungsmusik, die stark mit Anleihen aus der Volksmusik arbeitet, kommerzielle Ausbeutung der Volksmusik sozusagen. Das Volk braucht seine Helden, und da sind sie zu Hause, ganz Österreich scheint ein Musikantenstadl zu sein, in der Hinterseer, Gabalier und viele andere Abzocke betreiben auf Kosten eines missbrauchten Begriffes: Volksmusik. Dann gibt es noch die Neo-Traditionalisten, für die jede Veränderung von volksmusikalischen Überlieferungen einen Angriff auf die Kultur darstellt.

 

Keine Frage, die Volksmusik scheint das Volk zu spalten - jedenfalls in Bezug auf den Betrachtungswinkel.

 

Da gibt es den wissenschaftlichen, der volkskundliche und musikhistorische Aspekte aufweist, den emotionalen ("man spürt doch, was echte Volksmusik ist") und den weltanschaulichen, der nur hinterfragt, was "unverfälscht", "rein" und "echt" ist. Letzterer befindet sich in guter Gesellschaft, denn die Suche nach dieser "Echtheit" ist ein Trend, der sich durch viele Lebensbereiche zieht - Nahrung, Kleidung oder Medien, wie ein großer Getränkehersteller mit einem explosiv erfolgreichen Landlebensgefühl-Magazin beweist.

 

Aber es gibt noch etwas, und das wiederum gibt Anlass zur Hoffnung. Eine wachsende Anzahl junger österreichischer MusikerInnen entwickeln gegenwärtig ihren eigenen Zugang zur Volksmusik. Sie gehen dabei zwar sorgsam mit deren Wurzeln um, entziehen sich aber keck allen Zwängen, die ihnen die Tradition auferlegen könnte, frei nach dem Motto: "Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme." Neue, junge Zündler sozusagen, die mit einer unglaublichen Leidenschaft den Kern dieser Musik suchen, ihn in die Hand nehmen, drehen und wenden, um ihn dann behutsam dem Publikum zu präsentieren. In Form von echter Volksmusik. Wirklich echt. Kompromisslos echt.

 

Ein Beispiel, das gestern im Emailwerk Furore machte: Das Musiker-Kollektiv Saitensprung – mit einer verzaubernd spielenden Waltraud Stögner an der Volksharfe, dem Perfektionisten und Multiinstrumentalisten Manuel Schönegger an Kontrabass, Klarinette, Bassklarinette und Sopransaxophon, einem enorm einfühlsam agierenden Jakob Sigl am Schlagzeug und dem Ausnahmetalent Alexander Maurer, der sich in Vollendung an der Steirischen Harmonika, der Klarinette und der Bassklarinette im besten Sinne zu schaffen machte. Die Frische, mit der dieses Ensemble ans Werk ging, ließ die Gäste die heißen Temperaturen des Abends vergessen. Intensive Intimität wechselte sich ab mit jugendlich-draufgängerischem Temperament, das Einfühlungsvermögen in die einzelnen Stücke nahm alle mit auf eine Reise bis ins Herz des umkämpften Genre Volksmusik.

 

Fazit: Die Volksmusik lebt, sie hat alle eingangs erwähnten Strömungen und Fehlleitungen überstanden, sie lebt in der Begeisterung junger MusikerInnen, wie das Beispiel von Saitensprung beweist. Musik wird zur Volksmusik, wenn es über einen langen Zeitraum im Bewusstsein der Menschen verwurzelt bleibt, auch wenn sie Veränderung erfährt. Das darf sein. Das muss sein. Nur so kann die Flamme weiter brennen.

(lf)

 











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