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14.10.12 - 12:24 Uhr

Poesie ohne Sprache


Daniele di Bonaventura war noch nie in Salzburg, umso mehr freue es ihn, seine ganz persönliche Premiere als Solist hier zu geben, meinte der sympathische Italiener bei seiner Ankunft im Emailwerk Seekirchen. Solo zu spielen, alleine mit seinem Bandoneon auf der Bühne, sei für ihn die intimste und tiefgehendste Form seines musikalischen Ausdrucks.

 

Der Musikkritiker Gregory A. Vozar schrieb vor einigen Jahren: "Gäbe es einen Preis für Kreativität und Originalität in der Kategorie Bandoneon Komposition und Aufführung, würde Daniele Di Bonaventura ein ernsthafter Anwärter auf die höchste Auszeichnung sein." Wie Recht er hatte, bewies Di Bonaventura am 13. Oktober 2012 bei seinem Konzert im Emailwerk. Seine freie, poetische Improvisation ist geprägt von zahlreichen Einflüssen, von klassischer bis zeitgenössischer Musik, von Jazz bis Tango, von traditioneller Folklore bis zu Weltmusik. Allein er macht sie alle zu seiner Sprache.

 

Unverwechselbar und intensiv sind vor allem seine Kompositionen, denen man allesamt anmerkt, dass der 1966 in Fermo geborene Daniele Di Bonaventura nicht vom Tango kommt. Er studierte ursprünglich Piano, Cello und Komposition und entdeckte erst später die Liebe zum Bandoneon.

 

Daniele di Bonaventura spielte sein Solokonzert auf einem Äquivalent einer Stradivari, seine Concertina wurde 1933 noch von Alfred Arnold gebaut. Dieses Handzuginstrument besitzt eine nicht-chromatische Tastatur, wechseltönig angelegt, was so viel heißt wie: im Aufzug und im Zudruck erzeugt der gespielte Knopf einen jeweils anderen Ton. Der Tonumfang selbst umfasst 142 Töne. Mit der Resonanz eines Cellos - vor allem in Tenor und Bass-Register - füllte sie den Konzertraum mit einem warmen und betörenden Klang. In den Händen des virtuosen Italieners vibriert und pulsiert der Balg aus Erlenholz und Ziegenleder, die Töne erreichen die Zuhörer wie wiegendes Schilf im Herbstwind - man konnte fühlen, hören und sehen, wie sich Atem und Körper von Instrument und Instrumentalist mit jeder Minute mehr und mehr synchronisierten.

 

Das Gefühl dieser intimen Vitalität wird durch alle Geräusche verstärkt, die aus dem Klangkörper des Instrumentes und von den Stimmbändern des Musikers kommen, vom Rascheln und Seufzen des Balgs bis hin zum rhythmischen Klappern der Ventile. Diese Geräusche sind ebenso ein Teil des Musizierens auf dem Instrument wie das Kratzen eines Bogens auf den Saiten einer Stradivari, um diesen Vergleich noch einmal heran zu ziehen. Daniele Di Bonaventura ist ein Meister der Zähmung dieser Geräusche, er verwendet diese unfreiwilligen Reflexe als musikalische Interpunktion und Akzent.

 

Das Konzert endete nach etlichen Zugaben mit einem glücklich erschöpften Musiker und einem beseelten Publikum, das zwar nicht immer verstand, was Daniele Di Bonaventura in seiner Mischung aus Italienisch und Englisch erzählte, aber auf wundersame Weise am Ende doch alles wusste. Die Sprachfähigkeit der Musik beherrschen nur Wenige auf so virtuose Weise.

Daniele ist einer davon.

(lf)

 

 











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