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21.10.12 - 11:04 Uhr

Vom Mosaik des Lebens


Der Dichter Semier Insayif besuchte am 20. Oktober zum wiederholten Male das Emailwerk Seekirchen. Mit im Gepäck hatte er sein neuestes Werk "boden los" und als Reisegefährten die Violonistin Christiane Hörlein und den Oud-Spieler Asim Al-Chalabi. Eine spannende Mischung an Wörtern und Klang füllte von Beginn an den Raum. Semier Insayif las aus seinem Buch, einer lyrischen Betrachtung des unauflösbaren Zusammenwirkens von Natur und Kunst, einem Poesiealbum der Schöpfung.

 

Denn folgt man dem Dichter, so lässt sich an der Begrifflichkeit des Gartens das ganze Leben ablesen. Gärten sind für ihn so etwas wie die dritte Natur, künstlerisch überformt und Sinnbild für die kulturelle Entwicklung des Menschen.

 

Im Schreiben des Österreichers mit irakischen Wurzeln entfaltet sich dann das ganze Spektrum seines "Untersuchungsgegenstandes". Er schafft Gärten aus Wörtern, lässt Zungenpflanzen und Stimmlilien wachsen und beweist mit jedem Wort, dass der Garten ein Ort ist, der als Hülle und Metapher für viele Sehnsüchte der Menschheit steht. Und es sind nicht immer jene Gärten, die wir zu kennen vermeinen, für ihn sind es innere Erdflecken, die er zu Gärten formt und suggeriert, dass jeder und jede dieses Formen vollführen kann auf seiner Suche nach sich selbst.

 

Den jeweils entsprechenden Klang zu den lautmalerisch vorgetragenen Sprechgedichten brachten die beiden MusikerInnen ein. Auch hier spiegelte sich der weite Bogen von westlicher bis orientalischer Kultur wider. Auch die mitgebrachten Instrumente (Viola, Geige, Oud, Digeridoo) seien Produkte des Gartens, Naturmaterial, das zu Klanghölzern gehauen wurde. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, verschmolzen die Klänge mit den Worten, die Viola bemalte die westliche Gartenkultur mit der Sarabande aus den Suiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach, die Kurzhalslaute, deren kulturelle Herkunft im Zwischenstromland liegt, ergänzte das Bild des Sprachteppichs im orientalischen Raum. Beide MusikerInnen spielten mit unglaublicher Bedachtsamkeit und Präzision und gründeten sehr oft den Acker, auf dem die Worte dann wie aus Samen hochschossen.

 

Semier Insayif ist voller Gärten. Seit 2005 trägt er sie im Herzen, sie führten ihn von den Wassergärten des Wallersees bis zu den orientalischen Gärten Bagdads. Dies ist auch die ungeheure Spannweite seines Denkens, Fühlens, seiner Kreativität. Getrieben von der Suche nach dem Kern seiner Identität liegt ihm aber nichts am Ankommen, ihm geht es um das Bebildern der Suche mit Worten, aber auch um das Wechselspiel von Worten und Stille, um das Mosaik des Lebens und der Dichtung.

(lf)











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