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01.03.13 - 16:42 Uhr

Die Antithese


"The Tiptons", gefeiertes Saxophonquartett aus Seattle, machten Halt im Emailwerk Seekirchen. Eine Nachbetrachtung.

 

Alles begann mit dem Saxophon. Eigentlich ist dieses Instrument ein Spätstarter, denn als es von dem Belgier Antoine Joseph Sax 1840 erfunden wurde, war das klassische Sinfonie-Orchester bereits komplett. Kein Bach, Händel, Mozart, Beethoven oder Schubert konnte jemals eine Note für Saxophon schreiben. Erst mit dem Aufkommen des Jazz begann der eigentliche Siegeszug dieses Instruments mit seinem sehr variablen Klang und großen dynamischen Umfang. Allerdings: Die Arbeit an diesem Instrument war lange Zeit nur männlichen Musikern vorbehalten - was im Verlauf der Geschichte zwangsläufig zu Widerstand und Gegenentwürfen führen musste.

 

Der interessanteste davon heißt "The Tiptons", eine aus dem "Billy Tipton Memorial Saxophone Quartet" hervorgegangene Saxophongruppe aus Seattle mit Percussion-Unterstützung aus Salzburg. Mit dem Bandnamen zollen Amy Denio (Altsaxophon), Jessica Lurie (Alt- und Tenorsaxophon), Sue Orfield (Tenorsaxophon) und Tina Richerson (Baritonsaxophon) Billy Tipton Tribut - jener Big-Band-Saxophonistin und -Pianistin, die sich fünfzig Jahre lang als Mann ausgegeben und so künstlerisch in der Jazzwelt behauptet hatte. Sie sind so etwas wie die Antithese zum gut abgehangenen Vorurteil, dass nur betagte, voluminöse Herren das wohlgeformte Blech durchs kleine Holzblättchen im Mundstück so wirklich virtuos zum Klingen bringen.

 

"The Tiptons" verarbeiten eine Vielzahl von Einflüssen, vom New Orleans Jump-Groove über HipHop und Funk bis hin zu Swing, Klezmer und osteuropäischen Folk-Formen, eine Vielfalt an musikalischer Kompetenz abseits jedes Mainstreams. Hier zählt nur luftvolles Können, perfekte Atemtechnik und Spaß am Wohl- und Weheklang dieses eindrucksvollen Holzblasinstrumentes. Die vorwärtstreibende, groovige und manchmal auch sperrig verwirbelte Musik des Quartetts, die jazzigen Kompositionen und zarten Gesangseinlagen der vier Protagonistinnen erzählen von Stimmungen und Empfindungen, von den Höhen und Tiefen des Lebens.

 

Ausdrucksvielfalt und Abwechslungsreichtum prägte dieses Konzert: Schnelle Rhythmen, gekoppelt mit klassischen Soli werden abgelöst von nachdenklichen Melodien, und dann geht‘s wieder entfesselt in überbordendem Spielwitz weiter. Die vier Damen verschmolzen im Rhythmus mit ihrem kreativen Kollaborateur Robert Kainar, dem hochkarätigen Drummer aus Salzburg - wenn er die Sticks fliegen ließ, ging das durch Mark und Bein.

 

Über brillantes Handwerk musste man an diesem Abend also nicht mehr diskutieren. Aber über ein großartiges Miteinander, das mal für hemmungslose expressive Hingabe, dann wieder für lyrisch-melancholischen Output stand. Was dem aktuellen Albumtitel ganz gut gerecht wurde: "Strange Flower"....

(lf)











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