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09.03.13 - 11:26 Uhr

Achtung - die Klezmorim sind in der Stadt!


Freitagabend, wieder eine Arbeitswoche geschafft. Eigentlich wäre es jetzt toll, zu Hause auszuspannen, wäre da nicht - KLEZMAN!A! Die Klezmer Connection im Emailwerk! Also auf ins Konzert. Kaum begonnen, spürte man es förmlich: Die jiddischen Lieder zogen die ZuhörerInnen von der ersten Minute in ihren Bann. Dieses besondere Konzert mit bekannten, aber auch vielen ungewöhnlichen Klezmer-Stücken sorgte für Gänsehautstimmung. Und auch bei dem aus Georg Winkler (Klarinetten), Marion Ellmer (Gesang und Gitarre), Hubert Kellerer (Akkordeon), Bernie Rothauer (Schlagzeug, Bouzouki) und Peter Aradi (Kontrabass) bestehenden Ensemble spürte man bei jedem Ton die pure Lebensfreude.

 

Die Heterogenität, die diese Musik kennzeichnet, ist Folge der Geschichte: Erst 1948 konnte sich nach nahezu 2000 Jahren mit Israel wieder ein eigener jüdischer Staat entwickeln. Dadurch gab und gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher jüdischer Folk-Traditionen, die das verschiedenartige Leben in den vielen differierenden Volksgruppen widerspiegelt, in die die jüdische Gemeinschaft nach der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 n.Chr. aufgesplittert worden war.

 

Bereits im 16. Jahrhundert zogen die Klezmorim als professionelle Musikanten umher und spielten auf Festen auf. Traditionell vor allem auf khasenes (Hochzeiten), die in Osteuropa oft zwei bis acht Tage und länger dauerten. Sultane, Kalifen, Herzöge und Könige gehörten zu den Zuhörern der Klezmorim. Aber auch bei jüdischen und christlichen Zeremonien, in Synagogen und Wirtshäusern, in Weinstuben und bei Volksfesten waren sie gefragte Musikanten.

 

Doch zurück zum Konzert: Da wurde Musik nicht nur gespielt, da fühlte man pure Leidenschaft. Im Spiel der Finger, deren Lauf über die unzähligen Knöpfe des Bayan man mit den Augen schon fast nicht mehr zu folgen vermöchte, wenn der Seekirchner Hubert Kellerer mit seinem Instrument eins wird. Dann tritt das Akkordeon mit Georg Winklers Klarinette in Dialog. Kein Instrument als die Klarinette mit ihrer menschenstimmenähnlichen Phrasierung könnte besser geeignet sein, diese Musik darzubieten. Denn eigentlich spielt der Musiker mit seinem Instrument nicht sondern er singt damit.

 

Zum russischen Knopfakkordeon und Georg Winklers Klarinette mischt sich das Schlagwerk ein, Bass und Gitarre steuern einen herzblutpochenden Puls dazu, über allem schwebt die Stimme von Marion Ellmer - zusammen ergibt das einen musikalischen Wettstreit, den alle gemeinsam gewinnen. Melancholie wird durch furiose Klänge abgelöst, Tragik schwingt durch den Raum und die Klarinette lacht dazu. Wenn die Klezmer Connection spielt, strömt die Musik ins Herz.

 

Das Wunderbare an der Klezmer Connection - sie empfinden die Musik dieser weitgehend zerstörten Kultur auf perfekte Weise nach und füllen sie mit vielen weiteren musikalischen Einflüssen - begeisternd und sehr nahe am Original. Lediglich ein Wermutstropfen blieb zurück - Klezmer ist seinem Ursprung nach Tanz- und Mitmachmusik - den ganzen Abend nur zu hören, ist eigentlich dem Wesen dieser Musik nicht entsprechend. Und auch wenn viele es kaum auf dem Stuhl hielt - aufgesprungen ist niemand. Vielleicht ist das die österreichische Seite an Klezmer....

(lf)

 











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