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19.03.13 - 09:11 Uhr

Muss man können, um zu kennen?


Gitarre ist ein schwieriges Instrument. Viele sagen, eines der schwierigsten überhaupt. Dennoch ist unsere Verbeugung vor dem Gitarrenspieler oftmals nicht so tief wie vor dem Pianisten oder der Violinistin. Warum? Weil wir mit der Gitarre groß geworden sind. Am Lagerfeuer, bei Geburtstagsfeiern, Hüttenabenden, Kindergarten, unzähligen Bands usw. Und es stimmt – die einfache Form der Gitarre klingt uns an jeder Ecke entgegen. Und wie so oft, erfährt das vermeintlich Alltägliche nicht die Wertschätzung des Seltenen. Und sei das Seltene noch so banal.

 

Und dann das. Im Emailwerk ist das Amadeus Guitar Duo zu Gast. Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff gehören zu der Sorte Gitarrenvirtuosen, deren Liga recht weit oben spielt – dort wo die Luft für Lagerfeuer schon lange viel zu dünn ist. Man benötigt ein paar Minuten um zu begreifen, was da auf der Bühne gerade vor sich geht. Es klingt nach Gitarre – irgendwie – und dennoch hört sich das Largo aus „Mr. Southcote’s Pavan“ an, als würde das geniale Musiker-Paar ein Orchester aus 12 Lauten imitieren.

 

Diejenigen im Publikum, die sich selbst an diesem Instrument versucht haben, sehen etwas ungläubig auf das Podest. „Geht das überhaupt?“ liest man in den Augen. Muss ja, man hört es doch. „Aber wie soll denn das gehen?“

Die anderen können sich mangels Vergleichsmöglichkeit mit dem eigenen Können ganz dem Genuss hingeben. „Chaconne in G-Dur“ von Georg Friedrich Händel. Ist es nicht herrlich? Man hört, das Stück wurde für Klavier bzw. Cembalo geschrieben. Es klingt fast nach Cembalo. Wie machen die das, zum Teufel?

 

Das Genie von Kavanagh und Kirchhoff fordert zum aktiven Zuhören auf. Das unglaubliche Tempo in vielen Stücken, die Präzision mit der die beiden MusikerInnen im Hundertstelbereich zusammenspielen und letztendlich die Befähigung diesem Instrument Färbungen zu entlocken – diese geballte Perfektion kennen wir außerhalb dieser einmaligen Gelegenheiten nur aus der Retorte, mit der uns tagtäglich der Gehörgang verschmiert wird. Der Spalt zwischen „echt“ und Apple wird immer enger und wir als Zuhörer sind gefordert hinzuhören. Beim „Surama“, einem Stück das laut Konzertprogramm dem Duo gewidmet ist, beginnt man das unglaublich facettenreiche Spiel der beiden KünstlerInnen mit der Komplexität eines großen Bordeaux zu vergleichen…

 

Der Konzertabend mit dem Amadeus Guitar Duo war ein musikalisches Erlebnis der ganz feinen Art. Die subtile Erfahrung dieses Abends war eine mehr als willkommene und auch notwendige Abwechslung zur dümmlichen Vorschlaghammermentalität der allgegenwärtigen Seichtbeschallung.

Vielen Dank.

(mw)

 











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