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01.04.13 - 10:07 Uhr

Krieg der Worte in der Politik


GERTRAUD KLEEMAYR, 28. MÄRZ 2013 in den Flachgauer Nachrichten:

 

Thema Sprache. Im Rahmen des Projektes „SprachLust“ diskutierten Ex-Politikerin Doraja Eberle, der Linguist Oswald Panagl und der Kunstschaffende Marcus Hank im Emailwerk.

 

„Sprache ist Werkzeug und als solches auch Instrumentarium zur Erlangung, Ausübung und Sicherung von Macht“, das war der Ausgangspunkt der Veranstalter.

 

Katharina Neumayr, die Themenbeauftragte des Vereins Kunstbox, stellte vergangenen Donnerstag im Seekirchner Kulturhaus Emailwerk die Frage nach einer Veränderung des Sprachstils: „Wird die Luft in der Politik dünner, der Ton rauer, verkommen politische Diskussionen zu verbalen Attacken auf die Gegenseite?“

 

Sylvia Wörgetter, Lokalressort- Chefin der Salzburger Nachrichten, gab diese Fragen ans hochkarätig besetzte Podium weiter. Einig war man sich darüber, dass der Ton rauer geworden ist. „Der verbale Umgang war mir körperlich unangenehm“, so Ex-Landesrätin Doraja Eberle. Sie habe als Politikerin immer versucht, sich selbst treu zu bleiben. Schlimmer noch als verbale Attacken habe sie aber das Verstummen, das nicht mehr Füreinander- Eintreten, empfunden.

 

Marcus Hank griff die Verrohung der Sprache auf: „Das sich Einschleifen von eigentlich ungeheuerlichen Ausdrücken durch deren ständige Wiederholung hin zur Selbstverständlichkeit“, davor habe er Angst. Und auch in den auf die Schlagzeile reduzierten Medien sieht er eine Gefahr.

 

Linguistisch betrachtet benutzen Politik und Wirtschaft die Sprache oft sinnentfremdend: „Da werden negative Vorgänge mit etwas Positivem besetzt, beispielsweise werden Leute nicht gekündigt, sondern freigesetzt und es gibt keinen Stillstand der Wirtschaft, sondern ein Nullwachstum“, so Oswald Panagl, der, angesprochen auf ein Unwort in der Politik, den Begriff „Lebensqualität“ in die Runde warf.

 

Marcus Hank findet „Fairnessabkommen“ absurd, und Doraja Eberle kann gleich zwei Phrasen nicht mehr hören: „Es gilt die Unschuldsvermutung“ und „Ich habe nichts gewusst“. Verroht die Sprache in Politik und Medien?

 

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Im Bild v. l.: Katharina Neumayr, Clemens Panagl, Doraja Eberle, Sylvia Wörgetter, Verena Fellinger und Marcus Hank.

 











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