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02.06.13 - 11:01 Uhr

Prosa auf der Geraden


Wer Mercedes Echerer ein wenig kennt, weiß, ihre Stärke liegt in ihrer Direktheit. Sie schöpft ihre unbändige Energie aus dem Frontalen, liebt die Prosa – verspielte Lyrik überlässt sie gerne den Luftgeistern der Branche. Echerer ist Erdzeichen.

 

Das klingt nach einfach? Finden Sie? Die meisten haben immense Schwierigkeiten, ihre Meinung gerade heraus zu sagen, ohne, dass es wie ein direkter Angriff klingt. Echerer kann das. Sie tanzt unverblümt auf einer Blumenwiese. Am Beispiel Liebe singt Echerer eben nicht von funkelnden Sternen und rosa Wolken, sondern davon, dass der verliebte Tropf erst Mal über die Donau übersetzen muss, um zu seiner angebeteten Fischerdirn zu gelangen. Das Leben ist halt kein Rosengarten.

 

Ihre vokalen und musikalischen Begleiter „Folksmilch“ (Christian Bakanic - Akkordeon & Perkussion Klemens Bittmann - Violine & Mandola, Eddie Luis – Kontrabass & Gesang) spielen wortwörtlich mit. Die drei Musiker bilden die sehr gekonnte musikalische Untermalung für Echerers gelesene und performte Texte ähnlich einer Stummfilmbegleitung und spielen das Publikum stückmäßig vom Schwarzwald bis ans schwarze Meer.

 

In die Donau ist das Quartett schwerst verliebt. Ihr gilt dessen ganze Anerkennung, die schönen Weisen und fließenden Melodien. Manche Donaubewohner hingegen haben bei Mercedes Echerer nicht den größten Stein im Brett. Vornehmlich den Wachauern und Wienern stößt sie die spitze Zunge ins Herz. Den einen, weil Sie eine der schönsten Donauabschnitte mit marillenverseuchtem Poltertourismus entzaubert haben. Die anderen, weil sie es in ihrer Blasiertheit und wienerblütigem Mauscheltum es nicht verdient haben, an der Donau zu leben. Basta.

 

So geht es mal melancholisch, mal witzig, mal gelesen mal gesungen und immer energiegeladen die Donau entlang. Vorbei an reschen und feschen Burschen, bauernschlauen Pferdeverkäufern, vorbei am „ohdradn“ Wien bis zu den berühmten und klugen, zumeist aber selbstmordgefährdeten Ungarn und noch ein bisserl weiter.

Am Ende gleiten die vier Wellentänzer wieder sanft ans Ufer – Applaus.

(mw)











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