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15.07.13 - 07:49 Uhr

Der Stoff, der Männer erst zu Männern macht


Was für ein Abschlusskonzert! Die dritte Konzertnacht der o-ton vocal days war geprägt von viel Testosteron. Der Stoff, der Männer erst zu Männern macht - zumindest, was das gängige Klischee betrifft. Zugegeben - MUNDART ist eine Boyband, eine, die Leidenschaft entwickelt für den Witz in Wort und Ton, für das Lächerliche am Ernsthaften. Und das in einer musikalischen Qualität, die ihresgleichen im internationalen Umfeld nur schwer findet. Dies beweisen die fünf Jungs schon in der Eröffnungsnummer, die von einem Affen erzählt, der kein Versuchstier des Zoos mehr sein möchte und stattdessen als freies Tier mit einem Auto durch die Stadt rasen möchte. Das andere - das mit dem Testosteron - arbeiten sie in einer genialen Semino-Rossi-Parodie ab.

 

Damit - und natürlich mit Klassikern wie "Pretty Woman" und "Ain´t no Sunshine" erobern die fünf Minnesänger ("…um mit Hilfe modernen Minnegesangs Freundinnen zu erobern, schlossen wir uns zu MundArt zusammen") sofort das Herz des Publikums. Die stürmische Zustimmung kanalisierte sich auch sofort in Momenten rhythmischer Körperzuckungen, soweit die im Sitzen möglich sind, heftigen Beifallsorkanen bis hin zum ekstatischen Toben.

 

Kein Wunder, denn die fünf sympathischen Dresdner fahren einen durch und durch druckvollen Sound, insgesamt ein mundgemachtes Konglomerat unterschiedlichster Stile: Hip-Hop, Gangster-Rap, R’n’B und Jazz – all jene Facetten, die das Publikum rasend machen, die mehr zum Tanzen als zum Zuhören verleiten. Was Gabriel, Lars, Florian, Johannes und Daniel hier abliefern, ist große Stimmkunst, eingängig und überzeugend. Stilistisch ist das Programm ein buntes Bild, das schöne Geschichten erzählt. Zusammengefasst: Was da fast zwei volle Stunden lang mit opulentem Klangvolumen auf das Publikum niederging, kann getrost mit dem Prädikat "allererste Sahne" versehen werden. Doch dann…

 

… quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ereignete sich der eigentliche Höhepunkt dieses kleinen, feinen A-cappella-Festivals. Die fünf Mundartler kamen nach dem Konzert aus der Künstlergarderobe in die Bar des Emailwerks, in der bereits die Band des Vorabends, die vier charmanten Schwedinnen von Kongero, die Hocker besetzt hatte, außerdem noch die Schweizer Jodelseminarleiterin Christina Zurbrügg mit ihren KollegInnen Winnie Brückner (Jazzgesang) und Beatboxer und Klangtrainer Christian Recklies. Mit in dem illustrem Publikum auch etliche SeminarteilnehmerInnen und Konzertgäste. Der Abend nahm seinen Lauf.

 

Zuerst gaben Kongero ein Ständchen - Leckerbissen aus der schwedischen A-cappella-Seele. Die Antwort kam prompt: Christina Zurbrügg hatte bereits ihr Akkordeon aus dem Hotel geholt und antwortete mit zwei Schweizer Jodlern. Unterstützt wurde sie von Christian Recklies an der Maultrommel. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Kunstbox-Techniker Michael Höflmayr hatte seine Trompete geholt und stimmte "Is scho still übern See" an, in das einige SeminarteilnehmerInnen singenderweise einfielen. Nun fühlten sich auch drei der Mundartmitglieder gefordert und gaben etwas zum Besten. Und als das gesamte Barpublikum dann "Uti vår hage" und "Vem kan segla" interpretierte, fielen alle nationalen Grenzen und die Menschen sich in die Arme.

 

Bis früh in die Morgenstunden wurde weiter gefeiert - ein würdiger Abschluss einer Konzertreihe. So unterschiedlich die einzelnen Formationen auch waren, gemeinsam war ihnen das professionell routinierte Handling eines schwierigen Metiers, des A-cappella-Gesangs in den Sphären einsamer Klasse, lupenrein und makellos. Wir blicken gespannt auf das Jahr 2015…

(lf)

 











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