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30.09.13 - 10:25 Uhr

Wald ist mehr als Boden und Bäume


Erst stehen sie am Waldrand. Ein paar Minuten später auf einer Lichtung. Kurz darauf auf dem nebelverhangenen Gipfel des Buchbergs. Eine bunte Gruppe von 18 Menschen tastet sich Stück für Stück durch den Naturpark. Die Teilnehmer des LandArt Workshops des Kulturverein Kunstbox erfühlen, was die Natur rund um den Gipfel zu bieten hat. Workshop-Leiter Wolfgang Buntrock und Frank Nordiek vom Atelier LandArt zügeln den Tatendrang der Gruppe. Noch.

 

Zu Beginn heißt es, seinen Ort zu finden. Den Platz an dem Vision und Schöpfung eins werden können. Um die Suche zu erleichtern, spannen die erfahrenen Workshop-Leiter einige kleinere Übungen vor den Kreativprozess. „Baut in die Höhe“ war eine davon. „Jeder wählt sich einen Baumstumpf und kreiert ein kleines Werk damit“ hieß eine andere, auf einer vor kurzem geschlägerten Lichtung. Auf diese Weise verwuchsen die LandArt Laien mit ihrer Umgebung und im Nu verwandelte sich die Lichtung in einen kleinen Skulpturenpark.

 

Im Lauf des zweiten Tages löste sich die Gruppe unversehens auf, zerstreute sich über ein weites Gebiet. Es war Zeit für die Kür. Still und leise verschwanden die LandArter hinter Bäumen, in Gräben oder im dichten Unterholz. Jeder arbeitete von nun an an seiner ganz persönlichen Symbiose von Natur und Kunst.

 

Ein moosiges Rinnsal begann sich am Waldrand talwärts zu schlingen. Auf einer Lichtung flatterten gelbe Blätter an hauchdünnen Halmen gleich einem filigranen Windpark und trotzten den manchmal sturmartigen Böen. Eine, wie mit einem Lineal gezeichnete, Linie aus dunklem Lehm entriss dem chaotischen Waldboden ein Stück Geometrie. Andernorts wurde eine Skulptur aus Holz und Stein von einer palisadenartigen Phalanx an Ästen abgeschirmt und erinnerte an einen rituellen Platz der keltischen Druiden. Die fertigen Werke ließen nur noch erahnen, mit wie viel mühevoller Kleinarbeit und Geduld sie aus den Naturmaterialien geboren wurden. Auch ein kleinteiliges Netz aus Brombeerranken und Zweigen, Schöpfungen aus geflochtenen Gräsern oder sorgsam errichtete Figuren aus geputztem Altholz strahlten viel Liebe zum Detail und für Hobbykünstler ein beachtliches Maß an Kunstfertigkeit aus.

 

Viele der entstandenen Werke werden bereits in den nächsten Tagen wieder in den Schoß der Natur zurücksinken, aus dem sie entstanden sind. Andere werden sich wachsamen Augen noch ein einige Wochen erschließen. Aber spätestens im nächsten Frühjahr wird nichts mehr auf das emsige, kreative Treiben dieser Tage hinweisen. Ein Kunstwerk im vollen Bewusstsein von dessen Vergänglichkeit zu schaffen und damit mehr den schöpferischen Akt an sich als dessen anschließende Bewunderung zu genießen, zeugt von einem hohen Maß an Bescheidenheit und einer nahezu demutsvollen Haltung gegenüber der Natur, derer man sich für ein paar Stunden zugunsten der eigenen Kreativität bedient hat.

Wir freuen uns auf das nächste Mal.

(mw)

 

 











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