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11.10.13 - 12:03 Uhr

Groß durch Taten


Wenn an die 200 Kinder in Lachen ausbrechen, dann zittert die Bühne samt Josefine Merkatz und ihrem Ichtel. Sie wissen nicht was ein Ichtel ist? Keine Sorge, Sie sind nicht alleine, dem ganzen kindlichen Auditorium im berstend vollen Emailwerk ging es ebenso.

 

Also zunächst ist ein Ichtel einmal unzufrieden. Weswegen? Ganz einfach – wie so viele Ichtel möchte auch dieser aus Merkatz‘ „Eine Winterliche Wichtel Geschichte“ endlich ein großer Ichtel sein, nicht mehr von seiner Mama überbefürsorgt werden und überhaupt fehlt einfach etwas und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

 

Wie immer in ihren wunderbaren Erzählungen spielt und spricht Josefine Merkatz sämtliche Rollen selbst. Sie spielt den Ichtel Barthold, die eifrige Ameise Lieselotte, den wagemutigen Frosch Friederich, das kümmernde Eichhörnchen und natürlich den weisen Großvater Eiche. Jede Stimme unverwechselbar prägnant, jeder Satz mit ganz eigener Persönlichkeit, passend zum Charakter. Genau diese Unterschiede machen die Wichtel-Geschichte so herrlich fesselnd und ließen die Kinder mehr als einmal richtig glucksen vor Lachen.

 

Barthold möchte endlich sein W. Aber wie viele in seinem Alter setzt er sich erst einmal schmollend hin und tut sich leid. Erst als seine Freundin, die Ameise Lieselotte um Hilfe ruft, beginnt Barthold, noch unbewusst, sich auf den Weg zum Erwachsenen zu machen. Und Barthold hilft. Er hilft gerne, denn er mag seine Freunde sehr und ist überhaupt ein guter Icht. Prompt erhält er auch seinen Lohn, denn Lieselotte-Ameise schickt Barthold zum allwissenden Großvater Eiche.

 

Die Geschichte wäre zum Leidwesen der gebannten Zuschauer eine sehr kurze gewesen, würde Barthold auf dem Weg zum Erwachsenwerden nicht von einem Abenteuer ins nächste stolpern. Da wäre zuerst Frosch Friederich vor der Misslichkeit des Anfrierens auf dem See zu retten. Eine Lage, in die sich der übermütige Hüpfer an Winterschlafes statt gebracht hat.

 

Eine Lichtung weiter muss sich der Eichhörnchen-Papa eingestehen, dass die Planung seines Nuss-Winterlagers auf dem Nachbarbaum statt des eigenen, nicht die allerbeste Wahl war. Der Fuchs hat sich zwischen beiden Bäumen einquartiert und macht den täglichen Einkauf zum Spießrutenlauf, zumal der Hörnchen-Nachwuchs Papas Anschleichtaktik durch lautes Schreien torpediert. Der findige Ichtel opfert kurzerhand seinen Schal und spannt dem entnervten Baumbewohner eine Brücke zum Kühlschrank. Problem gelöst – wieder ein Stück erwachsener.

 

Wie so oft ist auch in der Winter-Wichtel-Geschichte der Weg das Ziel. Und dieser Weg führt Barthold, und Josefine Merkatz als sein hinreißend spielender Lebenshauch, letztendlich zu Großvater Eiche. Nachdem er diesen aufgeweckt hat, bekommt er dann auch das lang ersehnte große W und ist jetzt endlich ein Wichtel. Zugleich spüren aber auch die kleinen Zuschauer, dass das W im Grunde nur ein symbolisches Geschenk war. Denn erwachsen ist Barthold auf seiner Reise alleine durch seine Taten geworden. Und vielleicht hat Josefine Merkatz den Kindern auch mitgegeben, dass man auch als Erwachsener nichts anderes wird als das, was man als Kind gewesen ist. Dass uns unser Wesen durch alle Lebensabschnitte begleitet und wir nie zu jung sind, um gütig und hilfsbereit zu sein.

(mw)











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