Kulturverein Kunstbox Seekirchen - Home
NewsProgrammKulturvereinServiceLinksEmailwerk
AktuellArchiv
Archiv
29.11.13 - 10:59 Uhr

"Vertrau mir!"


Nachdem der unselige Katschai, die Verkörperung des Bösen, Jelena, die hübsche Tochter des alten Dimitri, entführt und als Wirbelwind den ganzen Landstrich samt Apfelbaum verwüstet hat, ist die Stimmung recht düster. Das spüren auch die Kinder, die im Dunkel des Saales voller Mitleid für den alten Dimitri sind. Und schon zauberte Reinhold Tritscher und sein Ensemble vom theater ecce eine der menschlichsten Regungen in die Herzen der Kleinen.

 

Doch gleich darauf betritt der stärkste unserer Antriebe die Bühne: Hoffnung. Die Hoffnung trägt im Stück Feuervogel den Namen Ivan. Ein aufgeweckter Kerl, der zwar zu Beginn der Geschichte gerne ein paar Äpfel klauen würde, was der schelmische Apfelbaum jedoch zu verhindern weiß, der sein Herz aber am rechten Fleck trägt. Und auch die Kinder spüren die Hoffnung und unterstützen, gefragt oder ungefragt, Ivan lautstark wo sie nur können. Juri Diez alias Ivan trägt seine Rolle ebenfalls dicht am Herzen. Ausdrucksstark und energiegeladen präsentiert er seinen Ivan als Helden, erspielt sich von Beginn an die Zuneigung des jungen Publikums.

 

Doch „Der Feuervogel“ wäre kein Märchen, bekäme nicht auch der mutigste Held eine reine Seele als Retter in der Not zur Seite gestellt. Es ist der Feuervogel selbst, der nach einem tiefen Blick in Ivans Seele das gesammelte Gute der Menschheit darin entdeckt. Ivan ist einer, der der Hilfe durch den Feuervogel wirklich würdig ist.

 

Anna Kuzmenko, die dem Feuervogel seine Bühnenform gibt, ist sich ihrer Rolle als Lichtgestalt gegenüber den Kindern vor der Bühne sehr bewusst. Das junge Publikum vertraut ihr, ihrer unbändigen Kraft und ihrer Weisheit. Und so fällt sehr bald im Stück einer der wichtigsten Sätze in Ihrer Rolle, als sie den noch etwas verdatterten Ivan bestärkt, auf die Suche nach Jelena zu gehen und dabei scheinbar unüberwindbare Gegner zu überwinden. Sie sagt: „Vertrau mir.“

Und Ivan vertraut. Bis über beide Ohren in Jelena, die er nie zuvor gesehen hat, verliebt, stürzt er sich mit dem Feuervogel in das Abenteuer.

 

Er überwindet den eisigen Frostkracher, überlistet die etwas einfältigen Spiegelritter, blendet den Drachen Tschudo Judo und trifft letztendlich auf den Erzbösewicht Katschai, gegen den er kaum Chancen hat. Aber eben kaum. Im heftigen Kampf wird er vom Feuervogel unterstützt. Der Herrscher der Finsternis tritt gegen den Boten des Lichts an. Der archaische Streit zwischen Gut und Böse wird von Reinhold Tritscher durchaus diffizil angelegt. Auch der böse Katschai darf die Frage nach der Berechtigung des Bösen ins Feld führen. Ein Wink an das junge Publikum, dass das Böse, ebenso wie das Gute im Leben nur selten in seiner Reinstform anzutreffen ist. Und dass man immer Entscheidungen zu treffen hat.

 

Im Märchen Feuervogel muss Katschai dank einem beherzten Ivan und einem bezaubernden Feuervogel eine ordentliche Tracht Prügel einstecken. Geschlagen, aber nicht vernichtet muss er von dannen ziehen. Bleibt nur noch der, von einem Riesen gut bewachten, Unsterblichkeit Katschais das Licht auszublasen, was letztendlich gar nicht so schwierig ist. Der Drache ist Italiener. Doch auch hier lädt Reini Tritscher und seine wundervoll spielende Truppe zum Nachdenken ein. Weswegen müssen das Böse und dessen Unsterblichkeit getrennt besiegt werden? Vielleicht möchte das Märchen damit andeuten, dass das Übel viele Gesichter hat, dass es nicht ausgerottet werden kann und vor allem, dass wir uns ihm immer wieder auf‘s Neue stellen müssen?

 

Die Kinder sind jedenfalls überglücklich, als dann auch der Unsterblichkeit der Garaus gemacht ist und Ivan endlich seine Jelena in die Arme schließen kann. Auf der Bühne geht wieder die Sonne auf und alles tanzt. Der Feuervogel ist zusammen mit Katschai gegangen. Doch sein Wesen bleibt Ivan in Gestalt von Jelena erhalten.

Ein märchenhaftes Happy End.

(mw)

 

 











<- Zurück zu: Archiv