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25.01.14 - 10:39 Uhr

Mirjam Jessa war schuld


Mirjam Jessa war schuld. Zweimal. Einmal in "Spielräume", einer der genialsten Ö1-Sendungen und einmal in "Ö1 bis 2". Sie spielte die Suite Nr.17 in f-moll von Silvius Leopold Weiss, transkribiert für Zither und gespielt von Martin Mallaun. Ich hörte es beide Male im Autoradio, das erste Mal gelang es mir nicht, den Namen zu erhaschen, das zweite mal erstarrten mein Wagen und ich am Straßenrand und hörten sich das Stück bis zum Ende an, um dann flugs übers iPhone ein Mail an Mallaun abzusetzen, ob er denn gerne im Emailwerk Seekirchen spielen wolle. Er wollte - und am 24. Jänner war er da: Martin Mallaun, ohne Zweifel einer der interessantesten und vielseitigsten Künstler, ein Vertreter jener jungen, frischen Szene, die im Moment die Musikgenres kräftig durcheinander wirbelt.

 

Was treibt einen Musiker an, sich einem Instrument zu widmen, das – als Instrument der Volksmusik bekannt – eher als altbacken eingestuft wird? Es ist wahrscheinlich die Besonderheit dieses Instruments, der holzreiche Klang, die geräuschvollen Saiten und die leichte Verstimmbarkeit, das und noch viel mehr beflügelt einen Musiker der Klasse Martin Mallauns, diese Klangquelle bis an die Grenzen auszureizen.

 

Im Laufe der Zeit haben die spezifischen Eigenschaften der Zither auch das Interesse zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten erregt. Der obertonreiche Klang, die leisen Hintergrundschwingungen, die leichte Verstimmbarkeit und die geräuschhaften Spieltechniken machen die Zither zu einer Klangquelle, die noch lange nicht ausgereizt ist. Diese Fülle an akustischen Referenzen, der schroffe Klang von Gitarren-Stahlseiten, die Breite von Cembalo-Tönen, von Harfen - das alles leistet die Zither ganz allein.

 

In Kombination mit einem unkonventionellen musikalischen Einsatz, wie es Mallaun pflegt, kommt dieses Instrument modern und aufregend daher, wie eine Reise zu einem anderen musikalischen Kosmos, weit von den patriotisch folkloristischen Klängen, und auch weit weg von der Zither-Referenz, die jeder von uns im Ohr hat: "Der dritte Mann" von Anton Karas. Martin Mallaun zeigt sich von diesen Wurzeln erfrischend unbeeindruckt, ihm geht es darum, neue Ausdruckmöglichkeiten der Zither zu entdecken. Angetrieben von dieser Experimentierfreude beflügelt er auch zeitgenössische Komponisten, für die Zither zu komponieren, wie Leopold Hurt, oder Dieter Schnebel. Auch Werner Pirchners Witwe gab Stücke zur Transkription frei, für mich neben Franz Hautzingers „Kleiner Göttermusik“ der Höhepunkt des Abends. Aber auch die barocken Werke, die ursprünglich für Laute geschrieben wurden, kommen erstaunlich elegant daher, manche, wie die oben erwähnte "Suite Nr.17 in f-moll" laut Mallaun sogar besser als mit der Laute, weil f-moll auf diesem Instrument nahezu unspielbar ist.

 

Und so kam es, dass der 1975 geborene Kitzbüheler Martin Mallaun einen mehr als gut gefüllten Saal im Seekirchner Emailwerk begeisterte – just an jenem Abend, wo Marcel Hirscher den Hahnenkamm-Slalom in Kitzbühel verlor. Ob dies eine zu gebrauchende Referenz ist, weiß ich nicht, aber für mich war das Schönste an diesem Abend das Bewusstsein, das neben den großen medialen Hypes auch Parallelwelten existieren, kleine, wunderschöne Inseln, die einem zwei Stunden Ausstieg aus der Hektik des Alltags bescheren.

(lf)

 











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