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02.02.14 - 09:35 Uhr

Wir haben uns gestern kennengelernt...


...und sofort den richtigen Draht zueinander gefunden, meinte Martin Gasselsberger über sein erstes musikalisches Gipfeltreffen mit dem Vibraphonisten Tim Collins. Was wie ein Witz klingt, ist absolute Realität, bewiesen und vorgeführt vor einem gut gefüllten Emailwerk voller begeisterter Zeugen.

 

Menschen wie Martin Gasselsberger (Piano), Tim Collins (Vibraphon), Roland Kramer (Bass) und Gerald Endstrasser (Drums) brauchen kein Warm-up. Von der ersten Minute an sind sie da – wie eine kontrollierte Eruption des Eyjafjallajökull, kraftvoll und unaufhaltsam. Das ist möglich, wenn eines der überragendsten Jazz-Ensembles auf eines der großen Talente trifft, die sich der ganzen Klangbreite und Tiefe des immer noch relativ selten gehörten Instruments Vibraphon widmen.

 

Collins ist ein Musiker mit stringent bezwingendem Rhythmus und von technisch makelloser Brillanz. Es ist ein Genuss, ihn beim Spiel zu beobachten, es ist schwer in Worte zu fassen, was man auf der Bühne sieht und hört, wahrscheinlich weil dies so ein Gegensatz ist. Der US-Vibraphonist schöpft aus der ganzen Palette des Instrumentes mit einer unvergleichlichen atmosphärischen Dichte. Er löst in seiner optischen und akustischen Erscheinung vermeintliche Gegensätze auf - was meditativ aussieht, klingt oft eindringlich treibend. Seine Hände mit den Schlägeln fließen förmlich über das Instrument und erzeugen dennoch einen ständig nach vorne strebenden fordernden Puls.

 

Schräg hinter Collins, für ihn unsichtbar, blickt Martin Gasselsberger konzentriert auf die Tasten und erhebt seinen Kopf nur dann, wenn es um Übergänge und Einsätze geht. Der Ausnahme-Pianist zeigt an diesem Abend seine ganze Bandbreite - von entfesselten Blues-Stücken bis zu schwebenden Balladen, hier zeigt er seine melancholische Seite, er lässt die Töne perlen und nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise ins Innerste. Er spielt Stücke aus allen Alben und auch ein paar neue Nummern, so neu, dass sie noch keinen Namen haben, wie so oft bei Martin Gasselsberger. Seine Ansagen sind humorvoll und pointiert, er ist das Gegenteil eines verkopften Jazzers, nämlich ein Musiker, der sein Publikum mitnehmen kann, ohne anbiedernd zu sein.

 

Mit Roland Kramer und Gerald Endstrasser haben die Frontmusiker zwei kongeniale Begleiter in der Band, die weit mehr sind als nur Taktgeber. Wenn die vorn das Tempo anziehen, geht Kramer mühelos jede Steigerung mit und begeistert das Publikum auch mit wuchtigen Sololäufen auf seinem mannshohen Instrument. Endstrasser ist derjenige, der Härte in den Klang des Quartetts bringt. Er kann Felle und Becken mit der Vehemenz eines Rockschlagzeugers traktieren, doch über einen weichen Anschlag aus dem Handgelenk verfügt er gleichfalls – unabdingbar bei den vielen ruhigen Passagen in Gasselsbergers Musik.

 

Das Genialste an diesem Abend aber war die Homogenität, die nahtlose Verbindung, die Verschmelzung zweier musikalischer Universen, von Gasselsberger und Collins, zu einem Klangerlebnis. Als hätte es nie etwas anderes gegeben. Dabei war dies das erste Konzert in dieser Verbindung. Bereits dreimal war mg3 schon im Emailwerk Seekirchen, immer in unterschiedlichen Besetzungen. Eigentlich ein Heimspiel. Das Publikum feiert die vier Virtuosen bis tief in den Abend hinein. Das Experiment ist geglückt, die Generalprobe bestanden, am nächsten Morgen geht‘s weiter ins Porgy&Bess. Liebe Wiener, freut Euch auf das, was da kommt...

(lf)

 

 











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