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10.02.14 - 10:05 Uhr

Die Kunst des Alleinseins


Alleine auf der Bühne zu stehen und ein Stück über das Alleinsein zu spielen ist eine Herausforderung, der sich nur wenige Schauspieler stellen. Alex Linse ist einer davon. Dass Stück „Plan B – endlich allein“ als Komödie zu führen, erscheint erst auf den zweiten Blick als richtige Wahl. Denn das Komödiantische an der Situation des „Richard“ liegt eher im verzweifelten Selbstbetrug, wie man ihn von unfreiwilligen Singles kennt (ich bin jetzt viel freier), und am mühsam zurechtgelegten Selbstbild desjenigen, der von sich behauptet selbstbestimmt zu sein, tatsächlich aber einsam ist.

 

Und so ist es auch die Diskrepanz zwischen Alleinsein und Einsamkeit, die der schwarzen Komödie sowohl ihr humoristisches als auch dramatisches Seelenleben einhaucht. Was den Zuschauer besonders mitnimmt: Es gelingt dem Duo Uli Brée (Autor) und Alex Linse (Schauspiel, Maske) die Tragweite der sich unerbittlich rächenden Beziehungsfehler in Kombination mit uneinsichtiger Verbesserungsresistenz darzustellen. Sicher, Richard ist nicht besonders hell. Die Latte dessen, was er als Leistung bezeichnet (egal in welchem Lebensbereich) liegt geradezu bemitleidenswert tief. Seiner Beziehung mangelt es an allem, was eine ebensolche erlebenswert macht, im Berufsleben ist er ein hochtrabender Totalversager. Die Konsequenzen sind unausweichlich. Frau weg, Job weg – was bleibt, ist der Fernseher, der Pizzaservice und Richards vorgelogenes Bild einer undankbaren Welt.

 

Mit Hingabe spielt Alex Linse den, zwischen kurzen Wellen der ehrlichen Selbsterkenntnis und langen Wellen der selbstgerechten Überheblichkeit, Gestrandeten. Mit der Polizei vor der Türe und einer Räumungsklage am Hals, zeigt Richard die völlige Unfähigkeit zur Selbstreflexion und bricht dabei ein Herz nach dem anderen im mitleidenden Publikum. Mit Minute zu Minute, in dem Richard sein unbedanktes Dasein vor seinen Geiseln ausbreitet, weicht der schwarze Humor der schieren Verzweiflung. Es bleibt nur noch den Plan B seinem unaufhaltsamen Ende zuzuführen…

(mw)

 











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