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19.02.14 - 13:34 Uhr

Piepmätze zum Verlieben


Leise, ganz leise tschilpt es aus einer dunklen Ecke. Vorsichtig, neugierig und leichtfüßig erkundet die Vogeldame die Umgebung. Sphärische Waldklänge wallen behutsam durch den Ort. Achtzig junge Augenpaare verfolgen wie die Flatterfrau beäugt, aufpickt, fallen lässt und Stück für Stück Waldboden entdeckt.

 

Julia Schwarzbachs grazile Bewegungen sind jenen eines Vogels so nah, dass selbst die Kleinsten der Kleinen ihn sofort als solchen erkennen. Dem Piepmatz gefällt‘s im Wald.

Da sich ein Vöglein alleine, in einem Stück, bei dem es ums Kennenlernen, Zusammenfinden und Liebgewinnen geht, doch recht schwer tut, landet ein paar Flügelschläge und Picker später auch schon der Vogelherr. Und schon beginnt das zärtliche Spiel zwischen ihr und ihm. Nic Lloyd spielt den strammen Pieper im edlen Federfrack, ganz aus der Natur gegriffen. Ein wenig stolzieren, ein bisschen plustern vorab und gleich darauf tollen beide vergnügt im Wald herum, sehr zum Leidwesen des Gewürms im Unterholz.

 

Aber schließlich können auch die verknalltesten Vögel nicht von Luft und Liebe alleine leben. Im Reigen der fliegenden Blättern und bezaubernden Klangkulissen findet das Pärchen gurrender Weise zueinander. Sie präsentiert sich ganz damenhaft in ihrer schönsten, bunten Aufmachung, er beeindruckt ab und an mit seinen prächtigen Schillerfedern. Die Knirpse, die das runde Bühnengeschehen umlagern, verfolgen die beiden Turteltauben völlig gebannt.

 

Die Frage, ob zuerst der Vogel oder das Ei da war, stellt sich in „Schräge Vögel“ nicht. Denn es geht im Stück - die Kleinen sollen ja auch was lernen - schön der Reihe nach. Der flatterhafte Höhepunkt der Balz wurde vom Ensemble des Toihaus Theaters Salzburg in einer hinreißenden Metamorphose, in der sich die beiden Piepmätze wortwörtlich vereinen, ganz besonders liebevoll herausgearbeitet.

 

Und dann ist es da – das Ei. Und es scheint das erste im Vogelleben der beiden zu sein. Es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. „Was machen wir mit dem seltsamen Ding?“, scheint sich das Paar zu fragen. Doch wie in jedem guten Wald gibt es auch in diesem eine weise Eule, die in solchen Fällen zu konsultieren ist. Beim Nestbau braucht es zwar ein paar Anläufe, bis die Wiege auch wirklich ei-gerecht ist, aber auch bei den Vögeln fallen die Meister eben nicht vom Himmel. Es dauert auch nicht lange und es beginnt zu knacken und knacksen. Was ist das jetzt wieder? Die Kinder wissen es. Die Piepmätze brauchen ein wenig. Aber dann…

(mw)

 

 











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