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01.03.14 - 17:59 Uhr

Am Anfang war die Percussion


Knochen, Holz, Steine – unsere Vorfahren schlugen in ihren Versuchen, ein paar beeindruckende Töne zu erzeugen, auf alles, was in Reichweite war. In steinzeitlichen Höhlen hat man selbst auf Stalaktiten Trommelspuren gefunden. So ein steingeschlagener Klangteppich, der durch die feuerbeleuchteten Höhlengänge waberte, muss äußerst imposant gewesen sein.

 

An Imposanz und archaischer Energie mangelt es auch dem Klangteppich von Ritmo Nuevo in keiner Weise. Im Gegenteil – schon während des ersten Stücks stieg die Temperatur im Raum um ein paar Grad. Und das war noch lange nicht das Ende des Drumsticks.

 

Das 12-köpfige Ensemble lockte rund 250 Rhythmusbegeisterte in das Emailwerk, ein Drittel davon zudem Tanzenthusiasten. Gab es zum Einstieg für das Publikum noch einen europäisch-artgerechten Beat mit einem geraden vielfachen der eigenen Herzfrequenz, trommelte sich Ritmo Nuevo bald in für unsere Ohren asynchrone Grundrhythmen, die spürbar von der anderen Seite der Erde kommen. Besonders bewegend: Ein Stück im Stil der Afro Bloco, oder eigentlich Bloco Afro – ursprünglich eine, im Grunde ethnisch-politische Gruppierung, die sich auf den Straßen Salvadors mit ihren Trommeln Identität und Selbstwertgefühl verlieh.

 

Die Formation spielt mit Tempo und Lautstärke wie ein DJ mit dem Synthesizer. Unter den, teils gepfiffenen, teils gewedelten Anweisungen von Leader Heinz Fladl, sitzt jeder Schwenk in Frequenz und Amplitude in Sekundenbruchteilen, was bei 12 PercussionistenInnen, jede/r zweite mit anderem Instrument und anderem Grundrhythmus, nahezu unglaublich wirkt. Für Laien mindestens ebenso überwältigend ist das Zusammenspiel der Beats und Instrumente zu einem in sich stimmigen, geschlossenen Stück. In der Perfektion von Ritmo Nuvo ausgeführt - gleich noch einmal so abgefahren.

 

Apropos abgefahren: Abende wie dieser sind nicht dazu da, analysiert zu werden, sondern die Musik, die Stimmung und sich selbst so richtig zu spüren. Und das Spüren funktioniert! Schon die Schamanen wussten um den großen Einfluss von Trommelrhythmen auf den Menschen. Mediziner (gähn) begründen dies mit einer Veränderung der Gehirnströme, aber wen interessiert das? Wie schon bei früheren Percussion-Veranstaltungen konnte man hautnah miterleben, wie die Lebensenergie des Publikums zusehends vom Kopf in den Bauch wanderte. Der absolut untrügliche Gradmesser dafür: die Anzahl der ausgezogenen Schuhe und der TänzerInnen vor der Bühne. Es hat gut getan, den eigenen Ursprüngen wieder einmal so intensiv zu begegnen. Eine Art Selbstreflexion unserer Gene. Ein ganz großes obrigado an Ritmo Nuovo.

(mw)

 

 

 











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