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21.03.14 - 09:46 Uhr

Liebesbeweis


Es ist kein Zufall, dass Volksmusik in all seinen Abwandlungen gerade jetzt wieder durch die Kleinkunstbühnen in Österreich zieht. Die Generation, die sich heute mit ganzem Herzblut diesem Genre widmet, mit viel Liebe zum Detail neue Ergänzungen sucht und findet, gehört nicht mehr jener an, die „musste“. Sie musste nicht hinhören, musste nicht dabeisitzen, musste sich nicht mit der Alternativlosigkeit abfinden. Die Anti-Volksmusik-und-Trachten-Revoluzzer fanden ihr Heil damals im Rock’n Roll, in Jazz und Soul, in allem was nicht Volksmusik war und gaben die volksmusikalischen Zwänge nicht mehr an die heutigen Akteure weiter. Und schon war dem zwanglosen Neuanfang Tür und Tor geöffnet. Wenn man darf, wie man möchte und nicht muss, wie andere wollen, gibt es für die Kreativität keine Grenzen.

 

Eines der schönsten Beispiele dafür, das man sich überhaupt vorstellen kann, gab es anlässlich des Starts von „ECHT“ – einer dreitägigen Hommage an den Garten Volksmusik mit all seinen Blüten, im Emailwerk Seekirchen.

 

Für das Duo „Ramsch&Rosen“, bestehend aus Julia Lachersdorfer und Simon Zöchbauer, ist die moderne Volksmusik Lebenselixier. Mit unermesslich viel Feingefühl kombinieren die beiden MusikerInnen volksmusikalische Ansätze aus allen Teilen der Nation zu unverkennbar neuen und zugleich unverkennbar echten Melodien und Weisen. Aus eigener Feder oder aus der Ableitung alter Stücke entstehen dabei diffizile und lebendige Schleunige (eine Variante des Landlers aus dem Salzkammergut), quecksilbrige Jodler und das, was Ramsch&Rosen „Miniaturen“ nennt. Einwendig gesungene Momentaufnahmen von rührenden Situationen und prägenden Erinnerungen.

 

Lachersdorfer und Zöchbauer sind herausragende MusikerInnen. Aber zu keinem Zeitpunkt während ihres ergreifenden Konzerts scheinen die beiden zu vergessen, welche Art Musik sie dem Publikum näherbringen möchten und welcher Art Emotionen sie Botschafter sind. Trotz oder gerade wegen ihres enormen Könnens, ist ihre Weise der Interpretation bestechend menschlich. Von den feingliedrigsten Zithermelodien bis zum kräftigen Gstanzl strahlen die Stücke vor Wärme und Energie und sind trotz des perfekten Spiels bar jedes notenbehafteten Meisterdünkels.

 

Vermutlich ist es ebendiese gefühlte Interpretation, die von soviel intuitiver Handwerkskunst getragene Leichtigkeit, die die neue Volksmusik im Allgemeinen und den Abend mit Ramsch&Rosen im Besonderen, so berührend machten. Die Texte selbst legen dem Zuhörer die Unbeschwertheit nur teilweise ans Herz. Vom Verlassen werden, von der Einsamkeit der Hinterbliebenen, vom gebrochenen Herz ist ebenso oft die Rede, wie vom frei herausgejodelten Glück über Land und Leute, über die Herzliebste und das begehrte Kreuzerpickerl, das sich der Bub für das schnelle einschlafen erhoffen darf. Die naturbelassene Virtuosität von Julia Lachersdorfer und Simon Zöchbauer war eine mehr als einladende Eröffnung für die beiden noch kommenden Abende mit FederSpiel und das Doppelkonzert KultUrig/Saitensprung, es war ein erdverbundenes Spiel von Herzen für Herzen. Ein Liebesbeweis zum musikalischen Werk der Altvorderen mit dem aufrichtigen Bekenntnis zum eigenen Standpunkt.

(mw)

 











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