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22.03.14 - 10:33 Uhr

Die Lust am Klang der Welt


Das Einzige, was man beim "Echt"-Debüt des jungen Blechbläserensembles "Federspiel" bemängeln könnte, ist die Tatsache, dass die Spielzeit bereits nach gut zwei Stunden vorbei war. Schade, denn in diesem hellen und vergleichsweise schlanken Klangbad hätte man noch ewig baden können. Die bereits mit unzähligen Auszeichnungen überschüttete Formation zeigte m Seekirchner Emailwerk, wie "echte" Volksmusik heute klingt.

 

Die Spannbreite ist groß - sie reicht von der österreichischen traditionellen Musik bis zur zeitgenössischen Avantgarde und beinhaltet neben atemberaubenden Arrangements auch Eigenkompositionen für Blechbläser. Das zwar bunt zusammen gesetzte aber immer homogen wirkende Programm bietet dem Ensemble die Gelegenheit, seine Trittfestigkeit in nahezu allen Stilen unter Beweis zu stellen. Im Programm "so wie ihr uns wollt", zeigt Federspiel auch an vielen Stellen die hohe Kunst der zeitgenössischen, improvisierten Musik.

 

"Federspiel" nimmt sein Publikum mit auf eine atemberaubende Reise - nicht nur durch Tradition und Moderne, sondern auch geografisch: Österreich, Balkan, Lateinamerika, zwischen Jodler und Mariachi, alles wird dem Publikum schmackhaft gemacht. Der Rezensent einer namhaften Zeitung meinte einmal: "Das alles geht. Geht sich aus. Und mehr. Es sprudelt nur so vor Vielfalt..." Diesem Umstand ist auch geschuldet, dass zwei Stunden Konzert so unglaublich kurz erscheinen.

 

Erfrischender noch als das gebotene Programm ist seine musikalische Umsetzung. Hier hat "Federspiel" einiges zu bieten, vor allem das Maß des strahlenden Klangs, der im weiteren Verlauf zwar je nach Atomsphäre modifiziert wird, aber doch als Grundtönung präsent bleibt. Die Musiker setzen auf einen durchlässigen, hell timbrierten, manchmal beinahe luftigen Klangcharakter, bei dem ein vergleichbar hohes Maß an „brassiger“ Messingschärfe mitschwingt. Ein solches Klangideal kommt gerade einem Raum wie jenem des Emailwerks perfekt entgegen, weil sich dort der Klang bis in die letzten Ecken gleichmäßig ausbreiten kann.

 

Besonders in jenen Momenten, in denen diese junge Band Gas gibt, die Lautstärke in Unermessliche steigen lässt, reißt sie mit druckvollem, teilweise irrwitzig schnellem Rhythmus das Publikum mit - mit einem enormen Gespür für überbordende Tempowechsel. Dann aber vermögen die Musiker den Ensembleklang auch wieder wunderbar rund zu machen, genau dort, wo es nötig ist. Da werden die romantisch glühenden Akkorde klassischer Volkslieder in ein ganz weiches, fein abgestuftes Klanggewand gehüllt – und doch blitzt immer wieder eine anregende Leichtigkeit auf, Farben und Stimmungen werden wunderbar eingefangen und wieder ausgespielt. Die ansteckende Spiellust, die saubere Technik, vor allem der Mut, eine ganz eigene Klangkultur zu pflegen, verdienen Hochachtung. Und an ansteckender Musikalität fehlt es den sympathischen Musikern ohnehin nicht. Ein Abend höchster musikalischer Güte.

(lf)

 











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