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23.03.14 - 13:37 Uhr

Echt jetzt?


Das, den Abschluss des Volksmusik-Schwerpunkts ECHT bildende Doppelkonzert von „KultUrig“ und „Saitensprung“ kann man nicht ruhigen Gewissens als Ende von Etwas bezeichnen. Als Ende des Volksmusik-Schwerpunkts – leider, aber gleichzeitig als ein überaus energetisches Lebenszeichen das hoffentlich noch viele KünstlerInnen inspirieren wird.

 

Der erste Teil des Konzertabends, gestaltet von Heidelore Schauer und Alexander Maurer, erstmals als Zweierformation auf der Bühne, begriff sich, trotz der empfindsam eingearbeiteten, zeitgenössischen Elemente, als weiter Blick zurück in die Geschichte der Volksmusik. Alleine durch die Gestaltung der Stücke mit Hackbrett und steirischer Harmonika, konnte man sich seinen eigenen Erinnerungen an „früher“ nicht entziehen. Schauers teils grazile, teils fast muskulöse Meisterschaft auf ihrem Instrument ist schlichtweg atemberaubend. Ganzheitlich eingebunden in das eigene Spiel, verflocht sie sich fast körperlich mit dem Ausdruck des gerade gespielten Stücks. Musikalisch umschwärmt wurde sie dabei von Alexander Maurer, der Schauer mit sich ständig wandelnden, klingenden Landschaften den Hof machte. In der musikalischen Exponiertheit eines Duetts zeigte Maurer einmal mehr, dass er neben seines absoluten Genies als Musiker vor allem ein HSK (hot sunst kana) sein Eigen nennen darf: Die uneingeschränkte Fähigkeit als „tonaler Emphat“ die Interpretationen seiner MitmusikerInnen vorauszuahnen und sein Spiel, egal ob begleitend oder führend, in einer einzigartigen emotionalen Tiefe in dem einzuflechten, was gerade gesagt werden muss.

 

Dem Publikum im Emailwerk brach es beinahe das Herz, als es KultUrig nach viel zu wenigen Landlern, Jodlern und Bayrischen, viel zu wenigen Minuten und viel zu viel ungestillter Sehnsucht abtreten lassen musste. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist? So ein Schwachsinn!!

 

Doch es gibt immer ein Licht am Horizont. In vorliegenden Fall genau drei Lichter mit Namen Jakob Sigl, Manuel Schönegger und einmal mehr Alexander Maurer. „Saitensprung“ lieferte mit dem Programm „zu dritt“ im zweiten Teil des Abends den Beweis, dass die zeitgenössische Volksmusik mehr Seiten hat, als eine Harfe Saiten. Letztere fehlte nachwuchsbedingt – darum „zu dritt“.

Die drei Herren verknüpfen die traditionelle Volksmusik mit so ziemlich allem, was sonst noch Noten hat oder irgendwie auf einem Instrument wiedergegeben werden kann. Anleihen aus Brasilien oder Tibet werden über Saxophon, Klarinette und Computer schamlos mit Jodler, Walzer und Polka abgemischt und über Steirische und Schlagzeug völlig respektlos zu feinstem Volksmusikalischen, besonders lebhafter Natur aufgeschäumt. Nun – respektlos gegenüber dem verstaubt Konservativen, nicht gegenüber der lebendigen Kunst der Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Die Ohren im vollen Emailwerk werden gestreichelt von Landler-Reggae-Verbundmaterialien, von 7/8- Takten und perfekten Loop-Teppichen das es nur so groovt. Dabei verstehen sich Sigl, Schönegger und Maurer keineswegs als Grenzgänger, die das Publikum mit purer Radikalität langweilen oder einem unter dem Titel „Hauptsache anders“ den letzten Hörnerv aus dem Trommelfell hieven. Die Formation hat schlicht das unnachahmliche Talent, aus verschiedensten Einflüssen richtig schöne Musik zu bauen. Das spricht natürlich für ihr außergewöhnliches Können als Musiker, vielmehr aber offenbart es die große Liebe zur österreichischen Volksmusik, ohne der jedes der dargebotenen, wunderbaren Stücke sofort ihres Profil verlustig und nicht mehr als volkmusikalische Ansatz erhörbar wäre.

 

Einfacher gesagt: die Drei sind so gut, dass sie so ziemlich alles in ihre geliebte Volksmusik integrieren können, ohne den Faden zu verlieren. Selbst wenn Saitensprung vom „House-Floor“ in ihre Vorstellung von Lounge-Musik in der Chillout-Area wechselt, würde es einen nicht wundern, wenn dort ein Pfeife rauchender Senn mit Gamsbart in einem Kunstlederfauteuil säße um das Rolling Stones Magazine zu lesen.

 

So ging ECHT stilECHT zu Ende. Drei Tage artgerECHTe Volkskultur von Vorarlberg bis Burgenland und von Brasilien bis Tibet. Drei Tage berECHTigter Applaus für großartige KünstlerInnen. Drei Tage liebevolles TECHTelmECHTel zwischen früher und heute. ECHT JETZT!

(mw)











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