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05.07.14 - 13:20 Uhr

Mehr als die Summe der Teile


Nun hat er es getan, der "Unknowncrooner". Er hat sein Studio verlassen und sich nach langer Auszeit wieder auf die Bühne gestellt. Im Emailwerk Seekirchen. Um mal klein anzufangen. Es muss ja nicht gleich Wien oder Berlin sein, wenn man so einen Live-Neubeginn durchziehen will. Eigentlich war dieses Konzert eine CD-Präsentation, wenn auch die Arrangements nicht viel mit denen auf der Silberscheibe zu tun hatten. Denn auf der CD gibt es neben dem Crooner nur Wolfgang Schramml, Wolfgang Schramml und nochmals Wolfgang Schramml. Dazwischen ein paar Soli von Tom Reif, Herb Berger oder Mike Fink. Ein schwieriges Unterfangen, dieses Projekt auf die Bühne zu bringen. Aber, das sei an dieser Stelle gleich erwähnt - es hat funktioniert. Und zwar exzellent. Mit der Hilfe von Musikern, die allgemein als "Kaliber" bezeichnet werden: Tom Reif, Herbert Berger, Robert Kainar, Klaus Kircher, Mike Fink und special guest wie Audio-Dope-Mitbegründer Fredi Themel.

 

Nun zurück zum Crooner. Die Bezeichnung Crooning ist von dem im Schottischen wurzelnden Wort croyne abgeleitet. Aus croyne wurde croon, womit ein sanftes, murmelndes Geräusch bezeichnet wird. Das bezieht sich in der Regel vorwiegend auf den Sänger und seine Stimme. Bei diesem Konzert lockte diese inhaltlich in eine Gegenwelt, in der innere Unruhe zur Poesie mutiert. Und während auf der CD "Shone" diese oft anmutig direkten Texte in einer stilistischen Mischung aus klassischem Songwriting und elektronischen Elementen eingebettet sind, wurden sie auf der Bühne oft von "echten" Instrumenten getragen. Und während Singer/Songwriter immer viele Emotionen in ihren Gesang legen, singt der Unknowncrooner weder viel, noch mit überzeichneter Ausdrucksstärke. Die Stimme ordnet sich immer in die Reihe der instrumentalen Klangwelten ein, ohne zu konkurrieren. Vielleicht auch, weil der Komponist all dieser Songs - Wolfgang Schramml - zwar poetische und inhaltsstarke Texte zu schreiben imstande ist, aber diese immer im tiefen Kontext mit der Musik und mit dem Instrument verarbeitet. Ganzheitlich.

 

Es ist schwer, dieses Konzert stilistisch einzuordnen. Auf der Suche nach Referenzklängen tut man sich schwer, was eigentlich ein gutes Zeichen ist. Wolfgang Schramml hat sich seinen ganz eigenen Stil gebastelt und die Nummern so arrangiert, dass sie mehr sind als nur die Summe ihrer Teile. Das Songmaterial und die Texte besitzen ungeheure Substanz. Und Schramml hat eine ganze Menge großartiger Musiker um sich geschart, um diese Substanz live zu verwirklichen. Aber er hat die Idee und den Kern des Studioalbums mitgenommen. Genau deshalb wirkte dieses Konzert nicht wie ein Erstlingswerk, sondern wie eines, das von einem eingespielten Team produziert wurde. Und so wurde das, was der Crooner ganz still und heimlich im Studio ersann, plötzlich Realität. Es genügt eben einfach nicht, seine Kreativität auf Platte zu pressen. Irgendwann braucht es ein Outcome. So wie gestern. Im Emailwerk. Großartige Nacht.

(lf)

 

 











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