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18.01.15 - 10:37 Uhr

Ein lachdenklicher Abend


Ein paradoxes Ich betritt die Bühne im Emailwerk Seekirchen. Angekündigt wurde ein "Ein-Personen-Stück", gekommen sind zwei Seelen. In einer Brust, versteht sich. Zelebriert die eine hedonistische Freude eines freien Ich, so zerpflückt die andere auf hinterfotzig zynische Weise jede Diskussion um Lust, Leidenschaft oder inneres Glück. Doch wie meinte schon Henri Bergson, der französische Philosoph: "Das Lachen würde seinen Zweck verfehlen, wenn es von Sympathie und Güte gekennzeichnet wäre."

 

Genau so funktioniert der Kabarett-Abend "LUST. Lasst uns leben!" An der Oberfläche lustig, darunter in vielerlei Hinsicht nachdenklich bis verzweifelt. Werner Brix konfrontiert sein Publikum mit nahezu allen menschlichen Schwächen, die auf der Suche nach Lust an die Oberfläche geschwemmt werden.

 

Weil die Fremdenführerin irgendwo im Stau steht, muss er - ein Opernkarten-Verkäufer in goldenen Gehrock und weißer Perücke - am Wiener Stephansplatz eine Gruppe Touristen unterhalten. Das gelingt nur am Anfang, dann gleitet er ab ins Philosophische. Beide Seelen streiten um die Bedeutung eines lustvollen Lebens, der von Trieben geleitete Hedonist und der bequeme Zyniker liefern sich Wortgefechte allererster Güte. Zum lustvollen Leben fehle uns allen der Mut, stattdessen wählen wir den einfachen Weg des Suderns. Jeder bastelt an seinen Sorgen, um sie hinauszutragen und sie mit der ganzen kleinen Welt, die wir uns schaffen, zu teilen.

 

In der zweiten Hälfte des Abends wird die widersprüchliche Figur sanfter, ehrlicher und berührender. Mit außerordentlichem Sprachwitz führt Brix durch viele Untiefen gegengeschlechtlicher Missverständnisse. Hier lässt er so gut wie gar nichts aus, von romantischen Urlauben über intelligente Hautcremen bis zum Liebesabend vor dem offenen Kamin, der dann eher zum Abenteuer des Versicherungsmaklers mutiert, weil er allzu feurig ausfällt.

 

Ein zu gleichen Teilen amüsanter wie auch nachdenklicher Abend, wenn man nicht auf alle Klischees hereinfällt, die Werner Brix als Fallen ausgelegt hat....

(lf)

 











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