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01.02.15 - 08:00 Uhr

Klangmagie und Taktspiele


Den ersten Teil vom zweiten Teil von ECHT gestalteten wie schon im vergangenen Jahr Heidelore Schauer (Hackbrett und Maultrommel) und Alexander Maurer (Steirische Harmonika), zusammen genannt KultUrig. Auch beim neuen Konzertprogramm „old but fashioned“ ließen die beiden Professionisten keinen Zweifel daran, wofür ihr Herz schlägt. Die Intimität, mit der sich die beiden Künstler ihren Stücken widmen, die völlige Selbstvergessenheit, mit der sie in ihren Instrumenten versinken, findet man kein zweites Mal auf einer Bühne.

 

Bereits der Tennkogel Landler taucht Musiker wie Publikum in ein akustisches Meer filigraner Klänge, die zart gehaucht an die Mauern des Emailwerks branden. Das Hackbrett ergibt sich völlig dem Seelenspiel Schauers und wandelt sich vom bloßen Instrument zur Leinwand der Emotionen, die genüsslich, ja lustvoll alles darstellt und verstärkt, was Schauer aus ihrem Herz sprechen lässt. Die freche Maultrommel bändigt sie zu einer heiteren Geschichtenerzählerin, deren Klänge wie bunte Tupfen im Raum herumschweben.

 

Und dort im Raum vermengt sich das Spiel Schauers mit den manchmal sphärisch weiten, manchmal knackig pointierten Klängen, die Alexander Maurer mit seiner Harmonika auf die Reise schickt. Seine Emotionalität in Verbindung mit dem unfassbar Kunstfertigen, bildet die seidene Hülle, den zwischen Gestern und Heute, zwischen angestammt und modern alles einschließenden, akustischen Kokon.

Während des Konzerts erläutert Maurer Ursprünge und Bedeutungen, bietet dem Publikum einen kleinen Einblick in die Entwicklung einiger Stücke und man ist dankbar für die kurzen Ausflüge in Geschichte und Musiktheorie, denn die Komplexität und der virtuose Tiefgang der Stücke lässt sich vom Verstand des Laien im Detail nicht mehr erfassen. Dafür erliegen Bauch und Herz dem herrlichen Spiel der beiden Künstler und schwärmen noch Stunden später vom viel zu kurzem Konzert.

 

Aber es bleibt keine Zeit für eine Trauerphase, denn im Handumdrehen findet sich der Zuhörer und die Zuhörerin im zweiten Teil vom zweiten Teil von ECHT wieder, zwar im selben Raum, jedoch in einer ganz anderen Welt. Die erneute Anwesenheit von Alexander Maurer (Steirische Harmonika, Klarinetten) bedeutet, dass man zumindest physikalisch noch an Ort und Stelle ist – zusammen mit seinen Ensemblemitgliedern Manuel Schönegger (Sopran- und Alt-Saxophon, Klarinette und Bassklarinette, Querflöte, Posaune, Kontrabass, E-Gitarre) und Jakob Sigl (Schlagzeug, Kazzoo und Electronics) wird zum Thema „Neue Volksmusik“ jedoch ein ganz anderer Zugang gefunden. Der Groove hält Einzug ins Emailwerk, das Tänzerisch-Lebendige wird zum Leitfaden des zweiten Konzertteils. Hinzu kommt der geschickte Einbau elektronischer Gadgets wie zum Beispiel Loops, die aus der 3-köpfigen Formation Saitensprung passagenweise eine Big Band zaubern. Von Walzer bis Polka fegen die verschiedensten Takte über die Bühne und der Versuch Maurers, dem Publikum die Eigenheiten des 7/8 Taktes zu verständlichen, wird nicht überall ans Ziel gelangt sein. Das tat aber auch nichts zur Sache, denn wer muss schon wissen, wie so ein Takt funktioniert – fühlen konnte es jeder.

 

Saitensprung bedeutet Volksmusik mit Augenzwinkern. Die Gruppe steht nicht nur für „aus alt mach neu“ sondern auch für „aus national mach international“ und es ist völlig wurscht ob Heimisches mit Brasilianischem oder Tibetanischem verwoben wird, es klingt auf alle Fälle richtig gut und macht noch bessere Laune. Boarischer, Zwiefacher oder Ambient&Lounge? Einerlei – wenn sich Saitensprung darum gekümmert hat, ist es einfach nur genial. Dass die drei Musiker auf der Bühne im Akkord ihre Instrumente wechseln gehört bei ECHT schon beinahe zum guten Ton – sollte aber immer daran erinnern, welche Kaliber man hier zu hören bekommt. Um nichts weniger als der Gruppe der Besten zugehörig, die dieses Land bisher hervorgebracht hat.

 

Danke für diesen Abend, der so viele Menschen wieder bereichert hat. Und diese Bereicherung ist fühlbar – sie ist ECHT.

(mw)

 











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