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02.03.15 - 10:25 Uhr

Notenspeedway


Einerlei, aus welchem Antrieb und mit welcher Erwartung sich die zahlreichen Gäste zum Konzert „Meridian“ von Matthias Bartolomey (Cello) und Klemens Bittmann (Violine & Mandola) versammelt haben – sie bekamen mehr. Mehr Rhythmus, mehr Virtuosität und vor allem ein irrwitziges Quantum Speed.

 

Jetzt sind diese Eigenschaften für sich alleine schon eine feine Sache, Bittmann und Bartolomey jedoch mixen aus diesen Disziplinen einen Cocktail des Unfassbaren und garnieren das Ganze mit einer Emotionalität und fesselnder Präsenz, die man - unter Eid -niemals mit einem Violinisten oder Cellisten in Verbindung bringen würde.

 

Beginnend mit dem ersten Stück „Berger, Gerhard“ setzen Bartolomey und Bittmann zu einem Rennen an und die beiden scheinen den musikalischen Irrsinn im Tank zu haben. Da wird das von Bartolomey mit Energie versorgte Cello stellenweise zum knirschenden, wummernden Subwoofer und ein paar Sechzehntel später entlässt derselbe Mann demselben Instrument Töne der Marke Glassprung. Und das alles eingebettet in Kompositionen mit Titeln wie „Norden“, „Tausendfüßler“ oder „Meridian“, bei denen kein gefühlter Notenwert unter besagtem Sechzehntel zu liegen scheint. Gibt es in der Musiklehre auch Vierundsechzigstel?

 

Dabei ist Bartolomey, übrigens Solo-Cellist beim Concentus Musikus in Wien, mit seinem Cello noch der Gesetztere im Duo. Aber einer muss ja der Vernünftige sein. Klemens Bittmann ist nicht dieser Ansicht. Seinen vernünftigen Teil muss er vermutlich bei den Wiener Philharmonikern ausleben, im Duett mit Bartolomey dreht er den Zündschlüssel um und das Pedal geht auf Anschlag. Zwischen Violine und Mandola hin und hergerissen bespielt er das Publikum mit einer tonalen Akrobatik, die nur noch staunen lässt. Den Vorteil der Bewegungsfreiheit schamlos nützend, lässt er sich von seinem emotionalen Spiel auch körperlich gefangen nehmen. Nichts hält ihn und seine Violine auf der Stelle. Und als ob es das Selbstverständlichste wäre, beginnt er bei 320 km/h die Stücke passagenweise auch noch vokal zu begleiten, was vom Kollegen am Cello immer passend gekontert wird.

 

Dass Bartolomey und Bittmann dem musikalischen Wahnsinn anheimgefallen sind, darf als humorvolle, aber etwas hilflose Metapher, für das mangels richtiger Worte schwer zu beschreibenden gesehen werden. Die Kompositionen des Programms „Meridian“ sind allesamt ideenreich und von der ersten bis zur letzten Note durchdacht und perfekt ausgeführt. Das Besondere neben der phänomenalen Machart ist aber die mitreißende Präsenz und humorvolle Lockerheit, mit der die beiden Künstler das Publikum von der ersten Note bis zur dritten Zugabe auf das beste unterhalten.

 

An so einem Abend vergeht die Zeit leider rasend schnell…

(mw)

 











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