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15.03.15 - 10:02 Uhr

Blonde Engel, schwarzer Tod


Ein bekennender Misanthrop würde den Abend von „Die Strottern“ und „Ramsch&Rosen“ etwa so umreißen: Das geballte menschliche Siechtum konzentriert in einem Konzert, bzw. nach eigenen Angaben in >12 letzten Liedern<. Heimweh, verlorene Liebe, Fronterfahrung und Wehleidigkeit werden zu den Ikonen des Seins. Kurz – nichts, was ein Achterl nicht wieder richten könnt‘. Soweit einmal der strotternseitige Beitrag zum täglichen Wiener Weltuntergang.

 

Ramsch&Rosen bemühen sich ein wenig Licht in den finsteren Keller zu bringen. Die helle Glöckchenstimme von Julia Lacherstorfer, begleitet von Simon Zöchbauer auf den Engelstrompeten entreißen die Strottern (Klemens Lendl und David Müller) zumindest zeitweise den Klauen des Teufels. In diesen lichten Momenten des harmonischen Miteinanders erblicken fein gestrickte Volksmusikderivate wie der Grinzinger Schleunige (eine Kombination aus Grinzinger Dudler und Aberseer Schleuniger) das Licht der Welt.

 

Die Gemeinsamkeit von „Die Strottern“ und „Ramsch&Rosen“ ist in jedem Fall ihr Herzblut für das Heimatlied und das begnadete Talent der hinreißenden Interpretation bis hin zu großartigen Neufassungen. Während das Wiener Männerduo die hauptstädtischen Altlasten vor allem textseitig bearbeitet und zu teils dunkelgrauen, teils schreiend komischen Stilblüten entwickelt, unterzieht Ramsch&Rosen das traditionelle Volkslied in erster Linie klingenden Metamorphosen, sowohl instrumental als auch vokal.

 

Tatsächlich bildet die eingangs erwähnte Trübsal den schwarzen Faden durch den Abend. Dennoch schließen die Neugier auf das nächste Lied und immer wieder einfallender, schwarzer Humor Suizidgedanken kategorisch aus. Zu abwechslungsreich und begnadet ausgeführt sind die instrumentalen Schwarztöne, zu erhellend die silbrigen Vokalblitze und einfach zu witzig die gespielten und gesprochenen Pointen auf dem Weg ins Fegefeuer.

 

Selbst die - vorsichtshalber angekündigten - Soldatenlieder („Bitte gehen Sie in der Pause etwas trinken“) aus dem Liederbuch der Wiener Einserschützen vermögen das emotionale Durchhaltevermögen des begeisterten Publikums nicht zu brechen. Kurz bevor Die Strottern den musikalischen Sarg zunageln, spielt ihnen Ramsch&Rosen immer wieder den Hammer aus der Hand. Das musikalische Setup der vier brillanten Künstler geht ans Herz, der weit vorauseilende Ruf sorgte für ein aus allen Nähten platzendes Emailwerk, in dem sogar der letzte Barhocker entführt wurde, um nur ja sein Quantum Unglück abzubekommen und um zu erfahren, dass Gold- und Silberfisch nicht miteinander verwandt sind. Hernach wurde das Leben gefeiert.

(mw)

 











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