Kulturverein Kunstbox Seekirchen - Home
NewsProgrammKulturvereinServiceLinksEmailwerk
AktuellArchiv
Archiv
12.04.15 - 10:08 Uhr

Grenzenlos.


Zwei Legenden standen bei Beginn des Manu Delago Konzertes im Raum des Emailwerks: Erstens die Geschichte mit der Feuerwehr. Die Musiker hatten bei ihrem Gastspiel im Vorjahr nach dem Konzert den Seekirchner Feuerwehrball besucht (im Gasthof zur Post, wo sie nächtigten) und ihn auch gleich wieder verlassen. Deswegen ging heuer beim ersten Song lautstark der Feuerarlarm los. Aus Rache, sagt die Legende.

 

Zweitens, dass Kobalt zu den seltenen, stets magnetisierten Elementen zählt und nach dem deutschen Wort Kobold (Berggeist) benannt wurde, weil die Bergleute bei der erfolglosen Suche in Silberminen oft Kobalt fanden und meinten, die Kobolde hätten das Silber geklaut und an dessen Stelle das ihrer Meinung nach wertlose Kobalt hinterlassen. Womit wir beim Konzert wären. „Silver Kobalt“. Anziehung und Abstoßung als Leitfaden durch eine vielfältige musikalische Welt. Jener des Manu Delago.

 

Dass der Stern des Tiroler Musiktalents immer höher in den Himmel klettert, hat nur bedingt mit der von den Medien oft zitierte Björk-Nähe zu tun. Sicher, das hilft, aber das ist nicht der Grund. Der ist in der schier unendlichen musikalischen Vielfalt und Freiheit des Manu Delago zu suchen. Jener Freiheit, die er sich nimmt, wenn er Grenzen auflöst. Grenzen zwischen Musikstilen und traditionellem Musikverständnis. Nur so schafft man heute Airplay in Ö1 und FM4 gleichzeitig.

 

Manu Delagos künstlerisches Prinzip ist das Verbinden von scheinbaren Gegensätzen. Die dabei entstehenden Stücke sind wesentlich von einander abstoßenden wie auch verschmelzenden Klangstrukturen getragen. Die einzelnen Instrumente sind kompositorisch so ineinander verwoben, dass eine Unterscheidung zwischen Naturinstrument und Synthesizer teilweise unmöglich wird. Dieses Auflösen der beiden klanglichen Sphären schafft einen Raum zwischen Kammermusik und Elektro, zwischen Digital und Analog. Ein Spagat, der auch ein Risiko beinhaltet, sitzen doch inzwischen meistens Anhänger beider Genres im Publikum.

 

Alle Musiker des Quartetts werden dieser Vielfalt gerecht, mit Hang, Piano, Geige, Fagott, Schlagzeug, Xylosynth sind Christof Dienz, Chris Norz und Isa Kurz kreative Bestandteile des groovenden Geflechts. Die Beherrschung der jeweiligen (Natur-)Instrumente dient hier gleichsam als Interface. Die Musiker selbst sind keine Puristen – sie alle agieren regelmäßig in anderem musikalischen Umfeld. Das ist spürbar, und das wirkt sich auch bereichernd auf das Gesamtkonzept aus. Isa Kurz‘ glockenreine Stimme steht gleichermaßen über ruhigen und beatbetonten Sounds, ihre individuelle musikalische Intimität verströmt eine Anziehung, der man sich nicht entziehen kann und will. Der Meister selbst schwebt koboldgleich in kobaltblauem Licht zwischen seinen drei Hangs, die er bedient wie niemand anderer auf dieser Erde, wandelt zwischen Schlagzeug und Xylosynth und erzählt zwischendurch noch schnell mal eine Geschichte. Geschichten mag er. Wir auch.

 

P.S.: Cobalt ist essentieller Bestandteil von Vitamin B12, das für den Menschen überlebensnotwendig ist...

(lf)

 











<- Zurück zu: Archiv