Kulturverein Kunstbox Seekirchen - Home
NewsProgrammKulturvereinServiceLinksEmailwerk
AktuellArchiv
Archiv
27.04.15 - 14:21 Uhr

Sax it up!


So sieht es also aus, wenn Musikerinnen richtig Spaß haben. Wie hieß der Song gerade eben? Wave waltz hardcore? Und der andere? Ja, der, bei dem Tina Richerson mit ihrem Bariton-Sax nicht unten sondern oben rumgegurgelt hat? „La Luce Azzurra“? Das „Programm“ von „The Tiptons Sax Quartet & Drums“ ist eigentlich keines. Es gleicht mehr einer geplanten Jam-Session nach dem Motto „Mädels, mir ist heute nach Spaß, seid ihr dabei?“. Und WIE sie dabei sind!

 

Rudelkapitänin Amy Denio überlässt die Vorstellung ihrer Mitspielerinnen ihnen selbst und so brodeln in den ersten Nummern ein paar Soli ins Publikum, dass die Bogenteile der Instrumente zu glühen beginnen wie Auspuffkrümmer nach einer Bergfahrt.

 

Bei Jessica Lurie spielt der ganze Körper, alles andere wäre viel zu wenig intensiv, Sue Orfield, schon ohne Sax eine imposante Erscheinung, muss selbst dann nicht Luft holen, wenn das Publikum schon beim Zusehen nach Atem ringt, und Tina Richerson schwingt das wummernde Bariton-Sax als wäre es eine Schalmei.

 

Amy Denio bildet das musikalisch-energetische Zentrum und die Schnittstelle zum Publikum. Dort sitzend weiß man nicht, wohin man zuerst hinsehen oder hinhören soll. Das musikalische Setup der vier Frauen ist ebenso eigenständig wie deren Bühnenpräsenz. Aber so unterschiedlich die Solistile sind, wenn sich The Tiptons einander zuwenden, entsteht ein energetischer Groove, eine packende musikalische Ansteckung, der man sich einfach hingeben muss. Der wabernde und zuckende Sound der vier Saxröhren klingt wie eine vorüberziehende Wetterfront mit Donner, Blitz und Sturm.

 

Gast-Drummer Robert Kainar ist genau der richtige für diesen atmosphärischen Zustand. Wer sich gegen den Sound der vier Saxophonistinnen stemmte, würde gnadenlos zerfetzt. Ginge man in die musikalische Deckung, würde man ungehört im stürmischen Nirwana verschwinden. Es ist nahezu unglaublich, mit welch‘ spielerischer Präzision Kainer sein Drumming mit seinen Mitmusikerinnen verweben kann. Jeder Einwurf, jede Antwort, jeder Teppich sitzt wie ein Maßanzug, selbst dann, wenn man als Zuhörer den Eindruck hat, das Ensemble ergibt sich gerade völlig dem freien, regellosen Jammen.

 

Über dem gewaltigen, groovigen Spektakel steht der alles mitreißende Spaß an der Musik. Die stets strahlenden Gesichter und die hemmungslose Fröhlichkeit der Powerfrauen machen den Abend nicht nur musikalisch, sondern auch seelisch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Greetings to Seattle and hugs to all of you!

(mw)

 











<- Zurück zu: Archiv