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19.07.15 - 10:21 Uhr

Ganz großes (Ton)Kino


Einen fulminanteren Abschluss hätte man sich für die mittlerweilen sechsten o-ton vocal days nicht wünschen können: „JuiceBox“, ein Mix aus Leidenschaft, Musik und Euphorie auf der Bühne, eine A-cappella-Ausnahme-Erscheinung, bestehend aus zwei Sängerinnen und vier Sängern aus Hannover, Leipzig und Berlin. Ausnahme deshalb, weil viele Bands aus diesem Genre sehr erfolgreich covern, „Juice-Box“ hingegen hat sich entschlossen, den schwereren Weg zu gehen und wirklich alles selbst zu schreiben. Alles Kompositionen von (Jo)Achim Rust, über den ich einmal folgenden Satz gelesen habe: "Joachim ist ein Purist, der als Kind in den Zaubertrank gefallen sein muss." Genauso ist es. Die Songs sind bestechend gut, er ein Traumtenor, dazu ein unfassbarer Mouthpercussionist.

 

„JuiceBox“ bedient sich vieler musikalischer Elemente und spricht beim Publikum jene Hirnregionen an, die dazu anregen, die Hüften kreisen und das Becken shaken zu lassen. 110% Groove, der einem eine Gänsehaut verpasst. Wenn Achim und Daniel Barke auf der Bühne die Köpfe zusammenstecken, entsteht ein entwaffneter Rhythmus, wabernde Bässe, Drum- und Scratch-Effekte vom Feinsten.

 

Auch die Bühnenshow sprengt alle Erwartungen, die man als Konzertbesucher mitbringt. Fein ziselierte, aber kraftvolle Choreografie, ein atmosphärisches Spektakel auch für die Augen. Lucie Schäfer und Anja Ritterbusch füllen die Bühne mit ihrer Präsenz nicht nur musikalisch. Aber gerade die unterschiedlichen Klangfarben der einzelnen Stimmen machen das Programm auch so vielfältig und besonders. Ein Beispiel ist die, von Lucie gesungene finnische Ballade „Tuuleni“, die von einem Mann erzählt, der im Wind seine Liebe wiedererkennt und sich gleichzeitig von ihm befreien lässt. Ein Meisterwerk des Songwritings.

 

Die beiden Tenöre Steffen Feindt und Frank Katemann durchmessen in kraftvollen Schritten die Bühne und schießen dabei meisterhafte Soli ins Publikum, während die Begleitstimmen sie so harmonisch und vom Timing so exakt auf dem Punkt unterstützen, dass einem die Luft wegbleibt. Im Übrigen haben alle Bandmitglieder charakterstarke Einzelstimmen, die im gemeinsamen Gefüge aber eine bestechende Homogenität entwickeln.

 

Die immer im Raum stehende Frage "Was sind die ohne Technikunterstützung wert?" beantworten sie souverän und zu Tränen rührend mit der allerletzten Zugabe "Truth about Love", bei der sie ihre Mikrofone auf der Bühne zurücklassen und sich Auge in Auge dem Publikum stellen - ein technischer Striptease und ein akustischer Ohrenschmaus. A cappella pur.

 

Schöner hätten die o-ton-vocal-days nicht enden können. Mit ganz großem (Ton)Kino.

(lf)

 

 

 

 











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