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10.10.15 - 12:38 Uhr

So geht Chor!


Der Aberseer Jodler als Intro ist eine sehr gute Benchmark. Den hat man schon von vielen gemischten Chören gehört. Das heißt, was man zumeist hört, ist eine von Frauenstimmen dominierte Partie mit ein wenig Testosteron im Hintergrund. Beim Ensemble KlangsCala sitzt man plötzlich aufrecht im Sessel. So klingt also der Aberseer Jodler mit echter Männerbegleitung. Das hat was!

 

Und dieser so selten gehörte, wunderschöne Klang zieht sich durch das ganze Konzert. Egal ob fortissimo oder piano, egal ob Mendelssohns „Richte mich Gott“ oder die eigenkomponierte „Schaukel“ – die Ausgewogenheit der Register im allgemeinen und die herrliche Balance zwischen Frauen und Männern ist berauschend.

 

Abgesehen davon ist KlangsCala eben KlangsCala. Das bedeutet man hört an diesem Abend im randvollen Emailwerk eine vokale Besonderheit. So etwas wie einen doppelten Regenbogen wo normalerweise nur einer ist. Hugo Wolfs „Einkehr“ schmeichelt sich warm und weich durch den Saal, die Kärntern Bildstöcklmesse wird so feinfühlig interpretiert, dass es am Herzboden rührt. Wer sich an dieser Stelle aber seiner Sentimentalität hingeben möchte, hat keine gute Wahl getroffen. Denn das nachfolgende „Gloria aus der deutschen Messe“ ordnet die Luftschichten im Saal neu. Das furchteinflößend komplexe Stück bewegt sich Taktweise am Rand zum Sprechgesang. Die aufeinanderfolgenden Wechsel vom pianissimo zum fortissimo sind so aberwitzig schnell wie einige der Textpassagen. Dazwischen verströmt das Stück passagenweise eine geradezu sinnliche Ruhe. Es ist beeindruckend.

Chorleiter Helmut Zeiler hat bei der Stückwahl aber auch Wert darauf gelegt, dass sich Programm und Chor nicht nur im vokaltechnischen Grenzbereich bewegen. So wird das Publikum mit einem ganz zauberhaften „An Irish Prayer“ beschenkt und wird Zeuge davon, wie leichtfüßig und zugleich berührend selbst ein schwieriger Gospelsatz von „Didn’t My Lord Deliver Daniel“ sein kann. KlangsCala eben.

 

Offizielles Programmende: Funiculi Funicola. Einmal mehr perfekt intoniert, perfekt charakterisiert und mit einem Volumen, dass man die Sessellehne im Rücken spürt. In der Fernsehwerbung würden sie sagen: So geht Chor!

(mw)

 











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