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31.10.15 - 11:26 Uhr

Traumnoten


Der KultUrig-Kenner, und davon lauschten einige im Auditorium, saß beim Konzert „Old but fashioned“ etwas sicherer im musikalischen Sattel als der unwissende Rest. Er hatte Tiefgang und Perfektion von Hannelore Schauer und Alexander Maurer bereits beim letzten Konzert am eigenen Ohr erlebt, wusste um die subtil verwobenen Klänge des Hackbrettes , das auf- und abschwellende Rhythmusbad und die raunenden Bässe der steirischen Harmonika. Der Kenner ließ sich also genüsslich zurücksinken und belächelte milde die ekstatischen Atemzüge der KultUrig-Neulinge, die das feingeschliffene Gesamtkonzept des Duos völlig unvorbereitet traf.

 

Hannelore Schauers Eigenkomposition „Drive In“ kroch so blitzschnell unter die Haut, dass den Haaren keine Zeit zum Aufstellen blieb. Auch die Phasen von „Heidis Traum“ wurden von den beiden Ausnahmenkünstlern so verstehbar und körperecht wiedergegeben, dass man unmittelbar in jene Träume gerissen wurde, die wir fast alle miteinander teilen. Erst die aufreibende Dramatik, die an den Verfolger erinnert, dem man nicht entkommen kann, weil man nicht vom Fleckt kommt. Dann die tragenden, sphärischen Klangteppiche, das erleichterte Schweben, weg vom Boden über einen Abhang in den Himmel hinein und zum Schluss eine verspielte, rhythmische Landung, irgendwo zwischen Wachen und Traum. Mehr, noch viel mehr gäbe es zu berichten. Aber leider stehen Schauer und Maurer bereits im Schwall des Applauses und verbeugen sich zum letzten Mal. Pause.

 

Ohne Harfenistin ist der Name Saitensprung irreführend. Es sollte eher „Dekaton“ (von den 10 Instrumenten, die der Eine da spielt…) oder den Klarinetten nach „Klariklang“ heißen (was zugegeben etwas nach einem Spülmittel für Gläser klingt). Nein – Sie haben schon richtig gelesen, „der Eine“, mit bürgerlichem Namen Manuel Schönegger, bläst und zupft auf zehn klingenden Teilen herum, die er auch gerne mitten im Stück wechselt, so entspannt, wie wenn man im Publikum von einer Backe auf die andere verlagert. Alexander Maurer muss man hier nicht gesondert vorstellen und Jakob Sigl mischt neben seinem grenzgenialen Schlagzeugspiel mal eben ein paar Elektronen ab. So viel zum Format der Musiker.

 

Das Konzert selbst ist dann halt das, was man von diesen Leuten erwartet. Geiler Sound zwischen Jodler und Tibet, vollreife Rhythmen von Südamerika bis Walzer, vielschichtige Loops in Ambition&Lounge-Music, wo gerade noch ein 7/8 Takt war. Genau genommen ist es mehr, als man erwartet. Einiges mehr. Sehr fein war’s wieder. Beidseits. C u folks.

(mw)

 

 











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