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01.11.15 - 13:14 Uhr

Paartherapie im Trio


Dass Anita Köchl und Edi Jäger Glattauer spielen, ist nicht neu. Schon unmittelbar nach dem Erscheinen des E-Mail-Romans „Gut gegen Nordwind“ hatten sich die beiden Wahl-Seekirchner die Rechte für die Bühnenversion des Buches gesichert und mit Fabian Kametz als Regisseur ein beispielhaftes und weit über die Grenzen Salzburgs hinaus strahlendes Bühnenstück abgeliefert. Neu sind vielmehr Daniel Glattauers Buch und Stück „Die Wunderübung“ und die Tatsache, dass das bewährte Bühnen- und Lebens-Duo Köchl/Jäger auf ein Trio erweitert werden musste. Und das mit niemand Geringerem als Georg Clementi, dem Emailwerk-Publikum schon bestens bekannt.

 

Glattauer hat in „Die Wunderübung“ dieselben erfolgsversprechenden Ingredienzien verwendet wie in seinem Debütroman: Das faszinierende Thema der Liebe, deren Abklingen im Laufe des Lebens und den immerwährenden Geschlechterkampf. Das seit 17 Jahren verheiratete Paar Joana und Valentin Dorek – beide um die 40 Jahre alt – sitzen mehr oder weniger freiwillig beim Paartherapeuten und nutzen die Therapie für den verbalen Schlagabtausch, der mitunter brutal und untergriffig daherkommt.

 

Die beiden sind erfahrene Streiter und begegnen einander auf Augenhöhe. Geschickt wissen sie den Stär¬ken des anderen auszuweichen und seine Schwächen zu nutzen. Sie kontern schlagfertig, reagieren geis¬tes¬ge¬gen¬wär¬tig, nutzen brillant rhetorische Tricks wie bissige Ironie, witzige Zuspitzungen, deftige Übertrei¬bungen, erfrischende Wortspiele. Kommunikativ beherrschen beide alle Register – herunterspielen, provo¬zieren, interpretieren, verpetzen, vermitteln.

 

Mittendrin sitzt der Paartherapheut, zugegeben etwas hilflos und versucht den beiden Ehepartnern meist ziemlich erfolgslos zu vermitteln und das Gespräch in eine sinnstiftende Richtung zu lenken. Aber die Fronten sind verhärtet und es fehlt auf beiden Seiten an wirklichem Willen, an der festgefahrenen Situation etwas zu ändern. Die knallharten Kon¬tra¬hen¬ten trampeln alle zarten Pflänzchen, denen er ans Licht der Sonne verhilft, gleich wieder nieder. Bis es zu einer unerwarteten Wendung kommt…

 

Auf sehr humorvolle Weise seziert das geniale Trio Köchl/Jäger/Clementi die Nöte dieses liebenswerten Paares. Je länger die Therapie dauert, desto bewegender wird es und es wird deutlich: Hier sind zwei, die sich – trotz aller Gegensätze – immer noch viel zu sagen haben und sich sehr lieben. Die Zurschaustellung einer desolaten, aber nicht hoffnungslosen Paarbeziehung und der einfallsreichen Manöver ihres Beraters begeisterte die Zuschauer. Vielleicht auch deshalb, weil dieses Stück viel Raum zur Identifikation lässt. Nur wenige Zuschauer blieben nach einem langen frenetischen Applaus für die drei Darsteller für ein Glas Wein in der Foyer:Bar. Die meisten verließen unmittelbar nach dem Ende das Emailwerk und hasteten nach Hause. Vielleicht, um sich mal richtig auszusprechen? Wer weiß…

(lf)

 

 

 

 











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