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22.11.15 - 11:13 Uhr

Best of "komödiantischer Erzähler"


Die Erzählkunst ist eine der ältesten Kunstformen in allen Kulturen. Die Komödie nicht minder, geht sie doch bis ins antike Griechenland zurück. In Kombination ergeben diese beiden Formen so etwas wie Kabarett. Ob das Stück „Wenn Frauen fragen“ von Horst Schroth diesem Genre wirklich zuzuordnen ist, blieb am gestrigen Abend im Emailwerk offen. Vielleicht lag es auch daran, dass Edi Jäger kein Kabarettist ist. Glücklicherweise. Denn Jäger ist Komödiant, und das im besten Sinne des Wortes. Er braucht nicht viel: einen Tisch, einen Stuhl, ein Glas Wasser. Nicht einmal ein Mikrofon, denn das würde die selbstverständliche Natürlichkeit seines Vortrags verfälschen. Und dabei kommt es gerade bei diesem Text auf die vielen Nuancen an, geflüstert, geraunt, gerufen, geschrien - Edi Jäger beherrscht sie alle. Und gerade die minimalistische Bühnengestaltung rückt den reichhaltigen Vortrag - geprägt von wechselnden Emotionen und pantomimisch sprechenden Gesichtsmuskeln - in den Vordergrund.

 

Wenn man nicht wüsste, dass dieser Text von Horst Schroth geschrieben wurde (mit dem Edi Jäger so etwas wie eine Seelenverwandtschaft verbindet), würde man meinen, der Komödiant aus Seekirchen erzählt aus seinem Leben. Sein Vortrag, oder besser gesagt, seine Erzählkunst ist an Authentizität nicht zu überbieten. Das Stück selbst bietet natürlich ausreichend Stoff, die Zuhörer ganz ins Hier und Jetzt ihres eigenen Seins zu entführen, ohne dabei die üblichen Männer/Frauen-Klischees zu sehr zu strapazieren. Die sind natürlich vorhanden, dienen Jäger aber nur als Einstieg in die absurde Welt des Aneinander-vorbei-Kommunizierens der beiden Geschlechter.

 

Ich möchte jetzt nicht auf die Inhalte eingehen, man wüsste nicht, wo man anfangen sollte, nur so viel sei gesagt: Mit Bravour gelingt es Edi Jäger, den Text des in Oberfranken geborenen Horst Schroth ins Österreichische zu bringen. Einmal mehr erweist er sich als sensibler Schreiber und auch als Multi-Sprachentalent, vom Bregenzerwald bis ins Lavanttal reichen seine mehr als glaubwürdigen Dialekterzählungen. Ich kann also nur empfehlen, dieses Stück Kleinkunst zu besuchen, wo immer es gespielt wird - aber nur, wenn er auf der Bühne ist: Edi Jäger, Best of „komödiantischer Erzähler“.

(lf)

 

 

 

 

 

 

 











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