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13.12.15 - 12:11 Uhr

Vom Himmel hoch


Bachs „Vom Himmel hoch da komm‘ ich her“ eröffnete zwar den weihnachtlichen Abend mit dem Atlante Quartett, viel mehr noch aber steht dieser Titel für die Anmutung des bezaubernden Konzertabends von Julia Kürner (Violine), Joachim Tschann (Violine), Sarah Grubinger (Viola) und Lisa Kürner (Violoncello). Dem Quartett gelingt mit diesem Titel eine berührend schön geführte Einleitung voller Einigkeit unter den Instrumenten, die durch die sparsamen Verzierungen in diesem Satz ganz besonders schön zum Ausdruck kommt.

 

Gleich danach wird das Publikum von den vier brillanten MusikerInnen durch blitzende Stakkatos aus der heimeligen Besinnlichkeit in die eisige Kälte von Vivaldis „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ versetzt. Wunderschön anzuhören sind die abwechselnden, kurzen Einwürfe der vier Instrumente, gleichsam ein Beweis der Meisterschaft ihrer Besitzer.

 

Doch das Atlante Quartett begnügt sich nicht mit der bloßen Zitierung der alten Meister. Nach den klassischen Einleitungen interpretieren die vier StreicherInnen die Stücke in zeitgenössischen Stilrichtungen. Dort hört man ein paar Takte, die dem Swing entspringen könnten, hier vielleicht etwas Walzer, andernorts könnte man einer Passage jazzige Anleihen entnehmen. Dem Streichen längst entwachsen wird dazu gezupft, geklopft, gerasselt und weihnachtliche Energie unter die Leute gebracht. Das war doch gerade ein Tangorhythmus in Astor Piazzollas „Winter“?

 

Auch die Nussknacker Suite nach Tschaikowskis Ballettvorlage präsentiert sich anders als in der Schule erstgehört. Die Bearbeitung von Martin Grubinger sen. verführte das Publikum durch die klassische Interpretation der jeweiligen Einstiege kurz in die Welt des Originals. So erkannte jeder im Publikum zum Beispiel die bekannten und einprägsamen Takte aus dem „Tanz der Zuckerfee“ oder dem „Blumenwalzer“. Doch ein paar Systeme später beginnt sich des Nussknackers Welt zu drehen. Mit Schellen an den Füßen - spielen alleine wäre viel zu anspruchslos - wird der arabische Tanz verziert. An anderer Stelle erklingen kleine Metallschalen, angestoßen durch den Bogen.

 

Das Publikumshighlight bildete aber mit Sicherheit vorher der russische Tanz. Schon die Einleitung war so energetisch, dass es zu zucken begann. Das Ensemble stellte daraufhin kurzerhand die Instrumente beiseite und lieferte eine Bodypercussion die sich, ganz unklassisch formuliert, gewaschen hat. Da wurde der russischen Seele ordentlich Dampf gemacht, mit einer Präzision und Lebhaftigkeit, an der sich so manche Percussion-Formation zwei-drei Scheibchen abschneiden könnte.

 

Da aber auch der weihnachtlichste Nussknacker irgendwann ins Bett muss, ging auch dieser Abend bedauerlicher Weise einmal dem Ende zu. Viel Applaus gab es und zur Belohnung noch ein paar Weihnachtsklassiker zum Mitsingen. Oh du fröhlicheehee…

(mw)

 

 











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