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09.01.16 - 10:35 Uhr

Lösch‘ die Lichtln aus…


„Lösch‘ die Lichtln aus“ trug Frau Perchta, die „Unirdische“, einem ihrer Kindln auf und schon wurde es dem ungläubigen Bauern der sich im Ofen versteckte, schwarz vor Augen. Zweifellos wurde diese Szenerie aus einer der vielen Perchta-Sagen nicht von so wunderschöner Klarinettenmusik umrahmt, wie beim, vom Autor und Regisseur Manfred Baumann moderierten, Sagen-Abend im Emailwerk.

 

Baumann gibt an diesem Abend viele österreichische Sagen zum Besten. Er zeigt die Parallelen vieler Sagenfiguren auf und erklärt die historischen Ursprünge dieser Geschichten, die sich oftmals in der keltischen oder griechischen Mythologie finden lassen. So lässt sich der Sagenteufel in seiner Gestalt mit Bockbeinen und Hörnern durchaus vom griechischen Gott Pan herleiten. Frau Perchta selbst (perath=hell, strahlend) findet ihren Ursprung vermutlich im Keltischen. Aber auch eine Ableitung von der germanischen Göttin Frigg ist möglich. Die Zahl Drei, der weiße Hirsch, die Schlange, die wilde Jagd, der Kaiser im Untersberg, die Seelentöpfe – unsere Sagen quellen über, ja bersten geradezu vor uralten Symboliken, die sich nicht nur in europäischen Sagen finden sondern in überraschend ähnlichen Ausprägungen in alten Mythen überall auf der Welt.

 

Während Manfred Baumann versucht ist, die Wurzeln unserer Sagenlandschaft zu ergründen, sorgt das Quartett „Sax4you“ für den musikalischen Rahmen. Dafür schlüpfen die 4 Meister des Saxophons (Roswitha Brandner-Fasching, Fero Tornai, Harald Brandner, Dietmar Juria) in die Rollen der Klarinettenspieler, was ihrer Meisterschaft hörbar keinen Abbruch tut, im Gegenteil. Die vier Musiker umrahmen die Geschichten so kunstvoll und feinfühlig, dass jede Begebenheit noch fühlbarer wird und noch mehr an Dramatik gewinnt, als sie die Sage selbst bereits zum Ausdruck bringt.

 

Und an Dramatik mangelt es im Sagenwesen wahrlich nicht. Ein Aspekt dieser Dramatik resultiert aus der Vereinnahmung der alten Sagengebilde und ihrer Akteure durch die christliche Kirche. Im Lauf der Jahrhunderte schlichen sich in viele Sagen immer mehr christliche Aspekte ein. Die Schmähung der Gottesdienste rief den Teufel auf den Plan, ebenso endete ungebührliches Verhalten am Sonntag, am Tag des Herrn, oftmals in einer folgenschweren Auseinandersetzung mit dem Bocksbeinigen oder dem Flötenspieler mit der roten Feder.

Das Wegscheidweiblein bringt es in einer Sage auf den Punkt: Nachdem es einen verirrten Fuhrmann wieder auf den rechten Weg bringt, bedankt sich dieser, so die Sage, mit einem „Vergelt‘s Gott“. Das zweifellos heidnische Wegscheidweiblein darauf „Ein Danke hätte genügt, ab jetzt seht ihr mich nicht mehr“.

Daher nur ein einfaches „Danke“ an Manfred Baumann und Sax4you, für den fesselnden und bezaubernden mythisch-musikalischen Ausflug in die Welt der Sagen. Wir sehen uns in einer Rauhnacht wieder, vielleicht so gegen zwölf…

(mw)











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