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22.01.16 - 18:55 Uhr

Groß, schlank, bayerisch


Die vier Männer von Kofelgschroa zelebrieren den bayerischen Humor. Sachlich, staubig und prägnant setzen Sie die Pointen. Das betrifft sowohl die Moderation, als auch ihre Musik. Redundantes wird in die Seitengassen der Bühne gekehrt, braucht koa Mensch. So wia ma do stengan, so samma!

 

In Oberammergau wird die Tradition der Hausnamen gepflegt. Manche haben einen, manche haben keinen. Manche haben einen ohne Haus, so schaut‘s aus. Kofelgschroa macht daraus einen Song. Drei Minuten sitzen die Verzweifelten in Ihren Stühlen und bemühen sich redlich, auch nur ein einziges Wort einzuordnen, chancenlos. What the hell? Es sind Oberammergauer Hausnamen. Das Rätsel wird erst nach dem Lied gelöst. So lässt dich ein Bayer wissen, dass er dir über ist…

 

Kofelgschroa, Maxi Pongratz (Akkordeon), Michael v. Mücke (Flügelhorn und Gitarre), Martin v. Mücke (Helikontuba) und Matthias Meichelböck (Tenorhorn), sind nicht wegen der Lyrik gekommen. Auch nicht um irgendwie volksmusiksamtig herum zu schmeicheln. Sie sind der (guten) Stimmung wegen hier. Ihre Musik und Ihre Texte sind geradlinige Aussagen, Botschaften, die so weitergegeben werden, wie sie erdacht wurden.

 

Wenn Kofelgschroa vom gehetzten Leben singt, dann nicht über irgendwelche Metaphern oder dass sich die Menschen emotional ausgeleert fühlen. Das wäre ganz und gar unbayerisch. Sie singen vom Rennen von dort nach da, singen von Feiern, bei denen sich die Gäste verziehen, wenn es zum Aufräumen wird, singen von der Sehnsucht nach einem Kanapee. Beim Lied von Zäunen und Grenzen ist es ebenso. Die vier Musiker singen vom steingewordenen Kleingeist und den daraus resultierenden, sichtbar engen Räumen. Das Quartett überlässt es dem Individuum die emotionalen Räume zwischen den präsentierten Fakten mit den eigenen Bildern zu füllen. Und das funktioniert.

 

Der Kofelgschroa-Sound ist einer, der jedenfalls Laune macht. Alleine Martin v. Mücke und sein bassige Helikontuba sind ein geiles Stimmungsduo. Die große Leidenschaft der drei anderen Herren ist, neben Herrschaft über ihre Instrumente, der bayerische Speed-Gesang in dreistimmiger Ausführung. Bei Kofelgschroa sinken die Blätter eines Baumes mit der Geschwindigkeit eines 3er BMW auf Discotour auf die Erde hernieder, einerlei ob der Baum für eine verwelkende Liebe steht.

Jo mei, nexts Joà is a wieda grea.

(mw)











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