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24.01.16 - 14:52 Uhr

Der Nabel der zeitgenössischen Volksmusik


Als musikalischer Höhepunkt und Abschluss des Festivals ECHT - der Konzertreihe für zeitgenössische Volksmusik im Emailwerk Seekirchen - war ALMA geladen. Ein fünfköpfiges Ensemble, bestehend aus Julia und Marlene Lacherstorfer aus Oberösterreich, der Südtirolerin Evelyn Mair und der Niederösterreicherin Marie-Theres Stickler sowie dem gebürtigen Pinzgauer Matteo Haitzmann. Diese fünf - vorweggenommen: großartigen MusikerInnen - bilden inzwischen so etwas wie den Nabel der zeitgenössischen (österreichischen?) Volksmusik.

 

Will man das richtig einordnen, ist es wichtig zu wissen, was ein Nabel eigentlich ist. Der Nabel ist die Geburtsnarbe, die nach der Abtrennung der Nabelschnur auf dem Bauch sichtbar bestehen bleibt, nachdem er für lange Zeit das Tor bildete, durch das die Basis für Leben und Wachstum mit dem Blutkreislauf der Mutter ausgetauscht wurde. Irgendwann wird diese Verbindung gekappt und das neue Lebewesen einwickelt - obwohl es alle Nährstoffe und Gene der Mutter in sich trägt - ein eigenes Leben. Zurück bleibt eine stolze Narbe. Als Zeichen der Herkunft, aber auch der Abnabelung, des Weges in die Eigenständigkeit, in eine eigene neue Welt.

 

In der Musik kennt man diesen Vorgang auch. Und es gibt den inspirierenden Mutterkuchen traditionelle Volksmusik mit all seiner Faszination. Ein Ensemble wie ALMA ist damit gewachsen. Und hat sich abgenabelt. Das schaffen nur wenige so souverän. Der Nabel der österreichischen zeitgenössischen Volksmusik heißt daher ALMA. ALMA, eine einzigartige, nicht festmachbare Formel zu einer neuen, berührenden Volksmusik, die Strömungen in Welt und Gesellschaft in sich aufnimmt und verarbeitet, damit neue Traditionen gebiert und wahrscheinlich irgendwann über eine neue Nabelschnur ein neues Lebewesen mit musikalischer und geistiger Nahrung versorgen wird.

 

Doch zurück zur Gegenwart und zum Konzert im Emailwerk. TRANSALPIN, so das Konzert- und Album-Thema wurde gespielt. Es handelt von fremden Ländern, spielt mit den Eigenheiten von Dänemark, Marokko, Südtirol und Zillertal, spürt Sehnsüchten und Träumen nach, lässt Seelen wandern und reist manchmal auch in die Kindheit zurück. Auf die Bühne kamen fast nur Eigenkompositionen, die meisten von Julia Lacherstorfer. Wenn man ein wenig hinter die Kulissen schielt, erfährt man aber, dass alle Kompositionen so etwas wie eine künstlerische Basis darstellen, an der sich die Talente aller anderen MusikerInnen reiben dürfen. Erst wenn jeder und jede das Maximum an handwerklichen Fähigkeiten eingebracht hat, schafft es ein Lied auf CD oder Bühne.

 

Ein Prinzip, das sich lohnt, denn damit ist nicht nur garantiert, dass musikalisch das Beste präsentiert wird, sondern schweißt die MusikerInnen auf magische Weise zusammen. Man hört und sieht förmlich im konzertanten Modus, wie diese sympathischen KünstlerInnen freundschaftlich kommunizieren. Eine Wohltat auch für das Publikum. Dabei spürt man auch das Bestreben, die Hörer in die reizvolle ALMA-Welt eintauchen zu lassen und sie mit zauberhaften Stimmungen zu konfrontieren. Es entsteht ein dicht gewebtes kammermusikalisches Ensemblespiel mit glasklarer Artikulation und absoluter Übereinstimmung in den dynamischen Abstufungen. Dieser selbstverständlich wirkenden Präzision steht ein musikalisches Temperament gegenüber, das so zauberhaft mitreißend wirkt, dass man alles um sich herum vergisst. Ein Höhepunkt, den es für die Veranstalter und vor allem für den Kurator Alexander Maurer von ECHT erst zu toppen gilt. Wenn‘s gar nicht anders geht, wird es halt das neue Programm von ALMA…

(lf)

 

 











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