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01.05.16 - 10:14 Uhr

Freundschaftsspiel


Wenn Mercedes Echerer und Konstanze Breitebner als „Franzi“ und „Rosa“ über Freundschaft und Konkurrenz in der Theaterwelt philosophieren, muss man nicht viel Fantasie aufbringen, um seine ganz persönliche und private Brücke ins eigene Leben zu schlagen. Vieles ist in Theater und Showbusiness sichtbarer und transparenter - niemand kümmert´s in der „normalen“ Welt, ob jemand eine dauerhafte Anstellung hat oder nicht - wenn aber eine Schauspielerin schon Jahre nicht mehr auf einer Bühne oder auf einer Leinwand zu sehen war, dann bröckelt die Reputation. Das sieht jeder, und irgendwann sind Phrasen wie „…nein, diese Rolle wollte ich nicht spielen, weil…“ nicht mehr glaubwürdig. Dazu kommen die Tücken des Älterwerdens und die damit verbundene Reduktion des Angebots an Rollen. Wenn nun zwei Freundinnen immer um die gleichen Rollen rittern, weil halt der Markt sehr klein ist, kann das eine Freundschaft schon auf die Probe stellen. Lebenslang, wenn - wie bei Franzi und Rosa - diese Freundschaft schon 30 Jahre überdauert hat. Ein Spiel. Ein Freundschaftsspiel.

 

Ein Freundschaftsspiel nennt man eine sportliche Spielpaarung, die in keine offizielle Wertung einfließt. Im Deutschen heißt es auch dann so, in der englischen Bezeichnung kommen wir der Parallele dann schon etwas näher: „Friendly War“. Mercedes Echerer und Konstanze Breitebner spielen die Rollen dieses Kleinkrieges, der an Authentizität nichts vermissen lässt, in einer unnachahmlichen Spielfreude und Präzision. Nichts ist wahrscheinlich schwerer, als sich selbst zu spielen. Und das tun die beiden. Der Stoff ist zu neunundneunzig Prozent Autobiografie. Die Preisgabe des Privaten, seiner Gefühle, seiner Ängste und Abgründe erfordert tausendmal mehr Schauspielkunst als das Auswendiglernen fremder Texte. Diese Grenzüberschreitung auf der Bühne ist deutlich sichtbar bei diesen beiden Spielerinnen und bahnt sich Wort für Wort einen Weg unter die Haut des Publikums. So bleibt das Komödiantische dieses selbstgeschriebenen Stückes niemals an der Oberfläche, es beweist immer eine große menschliche Tiefe, die dem Zuhörer und -schauer den Humor und das Lächeln, aber auch die Abgründe des Lebens und der Freundschaft vor Augen führt.

Ein großartiger Abend.

(lf)

 











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