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17.10.16 - 11:25 Uhr

Musikalische Gussform


Dass sich das „Filippa Gojo Quartett“ als solches bezeichnet, ist eigentlich ein Trugschluss. Ein Quartett besteht aus vier Künstlern, die zusammen spielen, dieses hier klingt wie eine Einheit, wie das oft zitierte „e pluribus unum“ – ein einziger Klangkörper aus Stimme und Ton.

 

Wenn Filippa Gojo auf brasilianisch vom Betrunkenen und dem Seiltänzer singt, ist man im Publikum angehalten, sich ganz der entstehenden Emotion zu ergeben, es sei denn sie sprechen fließend Brasilianisch. Ebenso beim nachfolgenden Lied vom bleichen Mond, der abendstill aus einem Bach „trinkt“, sofern sie der Vorarlberger Mundart nicht mächtig sind.

In beiden Fällen entspricht das Mitfühlen jedoch viel mehr der musikalischen Botschaft des Quartetts als das Verstehen. Der Versuch, dem Text zu folgen oder eines der drei Instrumente konzentriert wahrzunehmen, entreißt es dem Gesamtbild, das die Seele des Filippa Gojo Quartetts bildet. Die Maxime dieses Konzertabends im Emailwerk lautet also: fühlen statt hören, aufnehmen statt verstehen.

Freilich möchte man den vier Künstlern im Nachhinein die Anerkennung aussprechen, die dieses, mit dem Kopf kaum fassbare Konzert aufkommen ließ. Sebastian Scobel, der mit seinem Flügel so hingebungsvoll verwuchs und ihm mit Tüchern noch Tonfärbungen entlockte, für die er gar nicht gebaut wurde. David Andres, bei dem es schien, er würde seinen Kontrabass nicht einmal physisch wahrnehmen sondern ihn alleine mit seinen Gedanken zum Klingen bringen. Lukas Meile, der mit seinen Schlagwerken Gedichte schrieb, deren Zeilen sich wie von selbst auf die Töne des Ensembles reimten.

Und natürlich Filippa Gojo selbst, deren Stimme alles umschmeichelte, zugleich durchdrang und in Feinstofflichkeit zerstreute. Ihr vokales Repertoire beginnt bei der zärtlichen Ummantelung der Texte, wenn es darum geht, sinnliche, fast spirituelle Lyrik zu vermitteln bis hin zu einer urgewaltigen, vor Kraft und Volumen nur so strotzenden Jazzstimme, mit der sie Stücken wie „Seesucht“ und „My Water“ passagenweise die Aura des Überirdischen verlieh.

 

Der emotionale Stempel, den man als Zuhörer beim Konzert aufgedrückt bekommt, ist nicht so einfach abwaschbar. Auch das aufflammende Saallicht ist nicht Impuls genug, sogleich aufzustehen und sich wieder der realen Welt zuzuwenden. Auf dem Weg nach draußen verweilt man innerlich noch beim Widerhall eines Abends voller Poesie.

(mw)

 











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