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20.01.18 - 13:15 Uhr

Wien lebt!


Agnes Palmisano nur auf das Dudeln zu reduzieren, wäre gelinde gesagt ein Missgriff. Und auch wenn diese vokale Kunstform bereits in die UNESCO Liste des Immateriellen Kulturerbes in Österreich eingegangen ist und als und identitätsstiftender Bestandteil der Wiener Musiktradition gilt: Dudeln ist Dudeln und Palmisano ist Palmisano. Heißt: Eine hochtalentierte und äußerst vielseitige musikalische Persönlichkeit, die um die Verantwortung weiß, als legitime Erbin der Trude Maly - dem Urgestein des Wiener Dudelns - zu gelten, aber sie geht musikalisch ganz klar ihren Weg. 

 

Im Emailwerk präsentierte sie (als ihr erstes Konzert im Jahr 2018) mit Daniel Fuchsberger an der Kontragitarre (für den gebürtigen Salzburger aus Koppl sozusagen ein Heimspiel) und Andreas Teufel an der Wiener Knopfharmonika ihr aktuelles Programm "Wean und schdeam". Ein lustvoll gestaltetes Programm, durch das Palmisano mit unerhörtem Charme und Wien-typischen, morbiden Humor führte. Die Texte, von denen einige auch von ihr selbst geschrieben wurden, sind kunstvolle Erzählungen oder Charakterstudien, so dicht wie Kurzgeschichten und so lebendig wie Filme. Ihre Stimme malt die Geschichten aus wie Buntstifte ein Malbuch, mal klingend wie Kirchenglocken, mal klagend, mal schnurrend resignativ, sie singt über Tod, Liebe und langweilige Nettigkeit, als wär‘s das Selbstverständlichste der Welt, was den Wiener Charakter mit Sicherheit zu 100% trifft.

 

Wenn aber Agnes Palmisano einen Text von H.C. Artmann interpretiert, vertont vom studierten Komponisten und Kontragitarristen Daniel Fuchsberger, geht eine andere Sonne in der Welt des Wienerliedes auf. Das ist erfrischend neu, harmonisch vereinnahmend bis verstörend, aber es zeigt eine andere Facette dieses Palmisano-Trios, bei dem nur manche mitgehen. Die das aber tun, werden belohnt mit einem großartigen Stück Wiener Weltmusik, das eine Brücke baut zwischen Artmanns dunklem Wien und einer zeitgenössischen musikalischen Szene, die sich gut und bedeutsam anfühlt. Bitte mehr davon.

 

Alles in allem ein wunderbares Spiel mit dem Tod, mit Wien, mit Demut und Ignoranz, auf höchstem musikalischen Niveau.

(lf)

 

 

 











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