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15.11.16 - 21:02 Uhr

Ein Himmel voller Drachen


Wir träumen immer davon, sich in Elementen zu bewegen, für die wir eigentlich nicht geschaffen sind. Dieser starke Wunsch hat die Menschen schon immer beflügelt. Der Himmel ist eines dieser Elemente. Fliegen. Ein Traum, den jeder kennt. Leicht. Schwerelos. Schweben. Traumwandlerisch den Himmel erobern. Doch wie? Unsere Arme taugen als Schwingen nicht, tragen uns nicht. Bleibt der Blick nach oben. Die Sehnsucht. Und doch. Lasst uns schöne Gebilde in die Lüfte schicken, die wir mit fester Hand von der Erde lenken können. Die höher fliegen, wenn wir sie gegen den Wind ziehen. Wir wissen, dass diese Wesen nur durch uns fliegen können und geben uns doch die Illusion, dass sie in der Unendlichkeit verschwinden, wenn wir sie loslassen. Flugdrachen haben eine betörende metaphorische Kraft - und ihre faszinierende Vergangenheit zeigt weit in die Zukunft.

 

Drachen sind schon über 1000 Jahre alt. Die Chinesen benutzten sie sogar dazu, Menschen hochzuheben. Sie wussten also damals schon, dass sie viel Gewicht tragen konnten. Im Jahre 1827 verwendete ein Mann namens George Pocock Drachen zum ersten Mal, um in Wettrennen gegen Pferdekutschen kleine Wagen quer durch die englische Landschaft zu ziehen. Dann natürlich, zu Beginn des Flugzeugzeitalters, setzten alle großen Erfinder jener Zeit Drachen für die Entwicklung des Flugwesens ein. Heute sind es Leute wie Saul Griffith, die sich heute von den Flugdrachen inspirieren lassen, um mit ihren Ideen die Windenergie neu zu erfinden. Saul lässt Drachen steigen und 250 Meter über der Erde rotieren, um Strom zu erzeugen, der über Kabel zum Boden fließt.

 

Doch all das spielt keine Rolle, wenn Anna Rubin ein Wochenende lang acht gelehrige Erwachsene und einen hochmotivierten Knaben die Kunst des Drachenbauens vermittelt. Ihr Zugang ist ein künstlerischer, sie zelebriert mit ihrer Kunst nicht nur das Fliegen, sondern vielmehr die Schönheit des Fliegens und des Flugobjektes. „Drachen sind dafür gebaut, dass der Himmel durchstrahlt“, sagt Anna Rubin lächelnd und verweist damit auf die filigranen transparenten und luftdurchlässigen Konstruktionen, die ihre Wunderwerke allesamt auszeichnen. Wenn man mit Anna Rubin spricht, spürt man eine unvergleichliche Liebe zu dem, was sie tut - sie liebt das Vermitteln ihrer Kunst genauso wie die Kunst des Drachenbauens selbst. Das spüren auch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen dieses besonderen Workshops im Kulturhaus Emailwerk Seekirchen. Während draußen die ersten Schneeflocken fielen, arbeiteten neun Menschen inbrünstig und fokussiert an ihren Flugobjekten. „Ich erkenne die Menschen auch nach Jahren wieder, wenn ich ihre Drachen sehe“, meint sie. Die Ergebnisse nach zwei intensiven Tagen sind schön und beeindruckend und - sie fliegen allesamt, denn das ist das Wichtigste.

 

Drachen sind Träume, und wenn man sie loslässt, wenn man aus ihnen aufwacht, sterben sie. Sie wirken zart und zerbrechlich, aber solange man sie hält, strahlen sie anmutig und stark vom Himmel. Darum würde es unserer Gesellschaft gut anstehen, mehr Drachenbauer hervorzubringen, denn das würde unsere Welt definitiv besser und schöner machen…

(lf)











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