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Montag, 02. Oktober 2006 - 12:11 Uhr

Der fast echte Qualtinger


Was sich hinter dem Titel „Der Fall Qualfinger“ verbarg, ahnte niemand. Da Neugier bekanntlich ein guter Motivator ist, stürmten am 29. September und 1. Oktober über 400 Menschen das Emailwerk, besetzten auch den letzten Sessel, und erlebten ein hinreißend komisches und bissig-intelligentes „Qualtingerkonglomerat“, welches dem Altmeister selbst wohl ein gedehntes „is eeeeh guuad“ entlockt hätte.

Schauspieler Edi Jäger und A Cappella Oktett Stimmlos auf Qualtinger-Pfaden und in Bestform.

 

Helmut Qualtinger hätte wohl am liebsten Kabarett gespielt, bei dem keiner lachen sollte. Allein sein legendäres Zitat „Wenn ich das Wort „Kultur“ höre, übermannt mich der Schlaf“ zeigt nur zu gut das Dilemma der oft unfreiwilligen Komik und die Zerrissenheit von jemandem, der dumme Menschen nicht ausstehen kann und sich doch von Berufs wegen dauernd mit ihnen umgibt.

 

Edi Jäger und Stimmlos arbeiteten mit ihrem Programm „Der Fall Qualfinger“ im Spannungsfeld dieser Diskrepanz, ließen jedoch der musikalischen, sprachlichen und schauspielerischen Komik freien Lauf. Der schlurfende Hausmeister im Blauzeug, der Vorstand der österreichischen „Fremdenvertriebsindustrie“ (Vereinszweck: die industrielle Verwertung von Gastarbeitern und Touristen), der Provinzpolizeiinspektor samt Gefolge, die Stripteasebarbesucher, die Organe der kommunistischen Partei – sie alle zählten zum innersten Ring der Qualtingerschen Zielscheibe und wurden von Jäger und den Stimmlosen in so liebevoll-einfältiger Echtheit in Szene gesetzt, dass es die Zuschauer vor Lachen oftmals fast zerriss. Zumal die stimmakrobatischen Fähigkeiten Jägers jeder Figur deutliche Konturen verliehen, die ihre zermürbende Dummheit noch unterstrich.

 

Passend zu den gespielten Szenen lieferte Stimmlos die vokalen Antworten. „Der gschupfte Ferdl“ über „Der Bundesbahnblues“ bis zu „Der Papa wird’s schon richten“ gehörten dabei zum Muss für einen anständigen Qualtinger Abend. Der Männerrunde schien das Qualtinger-Erbgut tatsächlich in den Genen zu liegen, denn obwohl die Stücke für acht Stimmen adaptiert werden mussten und dadurch zum Teil außerordentlich komplex wurden, erfolgte die Wiedergabe in einer derart authentischen Stimmung, dass man an diesen Abenden ohne Übertreibung von „echt Qualtinger“ sprechen konnte.

 

Der eigentliche und historische „Fall Qualfinger“ – die mysteriöse Beschlagnahmung einer Villa durch einen Herrn Qualfinger (oder Qualtinger oder wie auch immer), der offenbar von den Kommunisten dazu legitimiert war (oder auch nicht, wer kann das wissen?) taucht in Form eines Schriftverkehrs innerhalb der kommunistischen Partei immer wieder auf. Er steht Pate für das damals wie heute widersinnige System, eines sich selbst erhaltenden politischen Apparates ohne Nutzwert nach außen – eine klassische Opfergabe für einen ständig auf Beute lauernden „Quasi“.

 

Trotzdem Edi Jäger und Stimmlos ihr komödiantisches und stimmliches Talent an diesen Abenden gnadenlos nutzen, zeichnen sie ein sehr exaktes, gefühlvolles und vor allem intelligentes Bild des „echten“ Helmut Qualtinger. Jenes sanften und verletzbaren Menschen, der, statt sich mit einer Mauer zu schützen, lieber mit den Ziegeln geworfen hat.

 

 











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